Meine eigene Balltoilette gab mir auch allerlei zu thun; wenn mich auch Tante Ulrike höchst freigebig mit schönen luftigen Stoffen beschenkt hatte, so mußte ich doch bei Anfertigung meines Staates fleißig selbst mit Hand anlegen, denn die Tante sagte, was man selbst macht, hat doppelten Werth.
Das Kleid lag endlich zu meinem höchsten Entzücken fertig da, aber noch wußte ich nicht, welche Blumen ich in das Haar nehmen würde. Die Tante hatte mir selbst die Wahl überlassen, aber – Wahl macht Qual, ich konnte mich schwer bestimmen, und Marie, die ich um Rath und Hülfe bat, war nicht wohl und konnte mich beim Einkauf nicht begleiten.
Da brachte mir eines Morgens die Dienerin eine Schachtel mit der Meldung, hier sei der von mir bestellte Kranz. Ich wollte die Sendung nicht annehmen, da ich nichts bestellt hatte, doch mein Name stand auf dem Umschlag und voll Verwunderung öffnete ich den Kasten. Aber was fand ich darin? Einen dicken Kranz von frischen blühenden Gänseblümchen, wie ihn die Kinder auf der Wiese zusammen binden, und daran hing ein Zettel, auf welchem mit verstellter Hand die Worte aus Fanchon geschrieben standen,
»Ich gebe mit Entzücken
Dir selbst dich selbst zurück.«
Das war nun sicher wieder einmal ein loser Streich Eugeniens! Wo sie diese frischen Wiesenblümchen im Spätherbst aufgetrieben hatte, begriff ich nicht; doch das war mir gleich, der Scherz sah ihr ähnlich, verdroß mich aber doch gewaltig. Ich warf den Kranz ärgerlich wieder in den Kasten, da verschob sich aber das Papier, das unter den Blumen gelegen, und einige grüne Blättchen kamen darunter zum Vorschein. Ich nahm das steife Papier fort und vor mir lag nun der reizendste, duftigste Blumenkranz, der je den Laden einer Putzmacherin geschmückt hatte. Zarte Apfelblüthe, deren Blätter röthlich angehaucht waren, und zwischen deren Blüthen sich rothe Knospen und frische grüne Zweige hervor drängten, schlangen sich zum reizendsten Kranze.
Das also war des Pudels Kern! Eugenie wieder wie immer der Kobold, der sticht, um dann desto freundlicher zu schmeicheln! Denn daß Eugenie mir diesen Kranz ausgesucht, war jetzt vollends zweifellos. Voll Jubel wollte ich mit meinen Blumen zur Tante eilen, da trat Eugenie in das Zimmer, und dankend flog ich ihr an den Hals. Sie aber hielt sich schnell das Taschentuch vor das Gesicht und rief: »Puh! ich wittere sentimentalen Wiesenduft, gerade wie lauter Gänseblümchen!« und schnell eilte sie wieder zur Thür hinaus.
Auf diese Weise war ich also zum schönsten Blumenkranz gekommen, ohne daß ich mich weiter mit Zweifeln zu plagen hatte. Die Blumen und mein weißes Tüllkleid lachten mich an so reizend und duftig, als sollte Schneewittchen in dem Staate tanzen, Schärpe und weiße Atlasschuhe fehlten auch nicht, und was der zarten, zierlichen Dinge mehr waren.
Tante Ulrike hatte selbst die Leitung und Beaufsichtigung meines Anzugs versprochen, und so sah ich dem verhängnißvollen Montage etwas ruhiger entgegen, denn die schöne Toilette hatte mir wirklich etwas Muth eingehaucht.
»Alles sauber und rein, liebes Gretchen,« sagte die Tante, als sie kam, die kleine Balldame anzukleiden, und so mußte denn alles was ich anlegte, vom kleinsten Stück Wäsche an, frisch gewaschen und rein sein, und vor allem verbannte meine liebe Kammerfrau jedes farbige, dunkle Unterkleid als eines Ballsaales unwürdig. Als ich endlich vor den Spiegel trat, und mich in dem feinen weißen Kleide und dem duftigen Kranze erblickte, erschrak ich fast vor mir selbst, reicher und schöner konnte doch keine der Damen auf dem ganzen Balle gekleidet sein.