»Er ist ja ein Freund meines guten Papa's,« sagte ich, verlegen Eugeniens Blicken folgend, aber doch fühlte ich, wie ich dunkelroth wurde.

»Ah so, verzeihe, ich meinte der Strauß sei für dich, nicht für deinen Vater. Aber du mußt das freilich besser wissen, Gänseblümchen!« sagte Eugenie lachend und schlug mich mit ihrem Fächer neckend auf die Finger. Dann nickte sie mir freundlich zu und trat mit ihrem herbeieilenden Tänzer wieder in die Reihe des Cotillon.

Solch' Cotillon ist ein wunderbarer Tanz. Endlos wie seine Dauer ist die Aufregung, in welche er die Tanzenden versetzt, denn hier kann aller Galanterie, allen warmen Gefühlen, Zu- wie Abneigungen Sprache und Ausdruck gegeben werden. Hier sind es ja nicht nur die Herren, welche, wie überhaupt im Leben, dergleichen Töne anschlagen dürfen, auch den Damen ist Gelegenheit geboten zu zeigen, wen ihr Herz begünstigt oder wem es nicht hold ist. Für die Damen gab es, wie ich schon gesagt, zierliche Blumensträuße, und den Herren wurden von den Tänzerinnen dafür kleine Orden angesteckt. Ich hatte schon mehrere Bouquets erhalten und war ganz stolz und glücklich. Doch nun sollte ich eine Wahl treffen, und wem hätte ich meinen niedlichen Orden lieber gegeben, als dem Freund meines Vaters, dem lieben Dr. Hausmann? Er hatte sich ja ohnehin ein Verdienst um mich erworben, indem er mich so häufig zum Tanz aufforderte, also war es nur ein Zeichen der Dankbarkeit, daß ich ihm den Orden gab. Aber doch klopfte mir das Herz gewaltig dabei, gerade als ob ich etwas Unrechtes thäte. Aengstlich blickte ich nach Eugenien hinüber und war herzlich froh, daß sie nicht bemerkte, wem ich meinen Orden brachte.

Spät erst kehrten wir heim, die arme Tante herzlich müde (denn Ballmutter sein ist keine Kleinigkeit), Eugenie noch immer unerschöpflich in Scherz und Uebermuth, ich aber wie berauscht von Entzücken, denn so vergnügt war ich noch niemals gewesen. Lange Zeit lag ich noch wachend im Bett und rief mir alles Erlebte noch einmal vor die Seele. Mir schien, das Backfischchen hatte sich heute außerordentlich gut benommen, denn keine Mahnung der Tante hatte, wie sonst wohl, gleich einem kalten Bade meine glühende Seele überfluthet. Ich war recht zufrieden mit allem, was ich gesprochen und gethan, süß drückte der Schlaf mir endlich die Augen zu, und im Traume schwebte ich noch immer fröhlich tanzend auf und nieder.

»Hör mal, Gänseblümchen, ich werde dir Tanzstunde geben,« sagte am andern Morgen Eugenie, als ich zu ihr in das Zimmer trat. Ich fand sie noch im Bette, obwohl auch ich der Ballfreuden wegen spät genug aufgestanden war.

»Tanze ich so schlecht, Eugenie?« rief ich erschrocken, denn ich meinte ganz hübsch getanzt zu haben.

»Ungefähr wie Mama's Schooßhund, wenn ich ihn auf die Hinterbeine stelle!« warf Eugenie leicht hin, indem sie sich gähnend streckte und reckte.

Ich ward dunkelroth und biß beleidigt die Lippen zusammen, Eugenie schloß die Augen und schien mich nicht weiter zu beachten, so daß ich ärgerlich wieder meines Weges gehen wollte. Da sang sie plötzlich halblaut:

»Mein Zünglein sticht,

Drum Gretchen spricht: