»Herzlich gern, aber wie kann ich das?«
»O die Damen verstehen sich ja so trefflich darauf, Verborgenes zu enträthseln. Wollen Sie nicht einmal das Herz Ihrer schönen Cousine sondiren, damit Sie erfahren, wer der Glückliche ist, dem sie ihre Gunst zuwendet?«
»Das ist eine furchtbar schwere Aufgabe, lieber Freund! Eugenie schimmert wie ein Kolibri stets in anderen Farben, und durchschaut meine Absichten zehn Mal, wenn ich den Versuch machen wollte, sie zu durchschauen.«
»Sie thäten aber ein gutes Werk, Gretchen,« sagte Eduard, jetzt ernst werdend. »Unser armer Baron stirbt fast vor Liebe zu Eugenien; aber die bittere Erfahrung mit Ihnen hat ihm allen Muth geraubt, je wieder einem Mädchen seine Hand anzutragen. Ich bot ihm meine Hülfe dazu aus freien Stücken an, aber angstvoll bat er mich, keine Schritte für ihn zu thun, denn Eugeniens Weigerung würde ihn auf ewig unglücklich machen. Aber was soll daraus werden, wenn er sich nie erklärt?«
»Nun ich will das Meine thun, Eugenien zu erforschen, ich verspreche es Ihnen!« sagte ich seufzend. »Ich glaube zwar bestimmt, daß sie des Barons Neigung erwiedert, aber in wie weit, das weiß ich freilich nicht, sie ist ein gar zu wunderliches Mädchen.«
Aber wie schwer war diese Aufgabe, die ich übernommen! Ich suchte oft das Gespräch auf den Baron zu bringen, doch was half mir das, ich kam keinen Schritt weiter.
»Findest du nicht, Eugenie,« sagte ich z. B. einmal, »daß der Baron eigentlich ein recht interessantes Gesicht hat, besonders wenn die Musik ihn belebt?«
»Ich finde ihn sehr häßlich, er mag musiciren oder nicht!« entgegnete Eugenie trocken.
»Ja, seine Manieren sind nicht schön, das muß ich auch gestehen,« warf ich ein.
»Was thut das!« sagte sie rasch. »Meinetwegen mag er so steif sein, als er Lust hat, ich will ja nicht mit ihm tanzen! In der Unterhaltung ist er nicht steif, das ist besser als umgekehrt.«