So machte sie es immer: tadelte ich, so lobte sie ihn, sagte ich aber etwas Günstiges, so war ihr das auch nie recht.
»Der Baron muß doch sehr reich sein!« begann ich dann wieder einmal mein Manöver. »Aber wie schade, daß er so allein in dem schönen alten Schlosse wohnt.«
»Nun warum hast du es denn abgeschlagen, ihm dort Gesellschaft zu leisten, wenn dir seine Einsamkeit so leid thut?« lachte Eugenie. Ich wurde dunkelroth, überwand aber meine Verlegenheit und sagte muthig: »Es giebt genug andere Mädchen, die recht gern seine Frau würden; glaubst du nicht auch?«
»Das kann wohl sein!« entgegnete Eugenie ihre Locken über den Finger drehend. »Nur gerade du solltest ein Gericht nicht anderen preisen, von dem du selbst nicht essen mochtest. O du unmenschlich kluges Gänseblümchen, denkst du, ich werde in deine Falle gehen?«
Mir ein Schnippchen schlagend tanzte sie singend davon, und ich war ärgerlich über meine Dummheit, die so plump mehr verdarb als gut machte.
Endlich eines Tages, als der Baron lange bei uns gewesen, faßte ich mir ein Herz und sagte ernst: »Eugenie, ich glaube, der Baron liebt dich über alle Maßen; aber er ist zu schüchtern, es dir zu sagen; du solltest es ihm deutlicher zeigen, wenn du seine Neigung begünstigst, damit der arme Mann weiß, woran er ist.«
Eugenie sah mich einen Augenblick ganz verwundert an, dann lachte sie laut auf und sagte: »Hat er dich etwa damit beauftragt, du mitfühlende Seele? Ich glaube beinahe. Aber Schätzchen, ich will es dir nur gestehen, die Wahl seiner Gesandtin war nicht viel glücklicher, als die des schlauen Klosterbruders im Nathan; es fehlt nur, daß du dessen Rede: »so sagt der Patriarch« in: »so sagt der Herr Baron!« verwandelst. Uebrigens, mein Gänseblümchen,« fuhr sie schmeichelnd fort, als sie sah, daß ich mich verletzt fortwandte, »übrigens werde ich deine weisen Lehren beherzigen! Schade nur, daß wir nicht im Lande der Amazonen leben, da hätte der schüchterne Herr Baron es bequemer. Wenn wir nur wenigstens Cotillon zusammen tanzten,« sagte sie neckend, »da könnte ich ihm doch noch einen Orden bringen, und ihm zeigen, daß er mir der liebste von allen Herren der Schöpfung wäre! Nicht wahr, Gänseblümchen? Ach wem brachtest du doch neulich auf dem ersten Balle den Cotillonorden, war es nicht Eduard? Ach nein, wer war es doch?« –
»Geh, laß mich in Ruhe, du abscheuliches Mädchen!« rief ich ärgerlich und doch lachend. »Mit dir binde der Kuckuk an, ich habe es satt!«
»Nun das ist prächtig, da habe ich doch endlich Ruhe vor dir und deinen Verschwornen,« lachte Eugenie. »Doch,« fuhr sie munter fort, »damit dein armes Herzchen vor Jammer und Mitleid nicht breche, will ich es dir nur gestehen, daß ich den Baron wirklich sehr gern habe. Nun aber geschwind, mach' daß die Andern es erfahren und durch sie der arme Baron, sonst hat er am Ende vorher noch den Heldenmuth, mich selbst danach zu fragen, und euer Triumph, die Sache vermittelt zu haben, fällt über den Haufen. Das wäre doch jammerschade! Nun, hörst du nicht, Schätzchen? Lauf und mach', daß er es erfährt! Glaubst du es denn noch nicht, wenn ich es dir in trockenen Worten sage: ich liebe ihn? Oder warum machst du wieder deine verwunderten Wickelkindaugen?«
Ja, verwundert stand ich allerdings da; denn was ich auf Umwegen nicht herauslocken konnte, das sagte das wunderliche Mädchen mir in wenig trockenen Worten, als ich es am wenigsten erwartet hatte. Jubelnd fiel ich ihr um den Hals, aber das konnte sie ein für allemal nicht leiden und lief scheltend davon, ich aber stürzte mit meiner Neuigkeit zu Marie, und mit dieser zu Eduard. Sobald er irgend konnte, wollte Eduard selbst zu dem Baron hinaus eilen, ihm die frohe Kunde zu bringen, um dann den Brautwerber für den Freund zu machen. Auch Tante Ulrike wurde nun in das Geheimniß gezogen; sie hatte alles längst geahnt, und freute sich der nun hoffentlich bald stattfindenden Vereinigung, welche sie sehr wünschte.