»Aber liebe Tante,« sagte ich kopfschüttelnd, als ich erfuhr, daß dieser Wunsch lange schon ihr Herz bewege, »glaubst du denn wirklich, daß Eugenie den Sonderling so liebt, um für das Leben glücklich zu werden? Sie sind doch zu verschieden!«
»Das schadet nichts, mein Kind,« entgegnete die Tante lächelnd. »Wie ich Eugenie nach und nach kennen gelernt habe, weiß ich, daß ihr tiefes Gemüth den hohen Werth dieses Mannes all seinen Wunderlichkeiten vorziehen, diese aber in ihrer leichten, graziösen Weise übersehen, ja anderen gegenüber verdecken wird. Bei seiner Verehrung für alle Eigenschaften Eugeniens, sie mögen heißen wie sie wollen, wird sie freilich ihr Lebenlang das verwöhnte Kind bleiben, das sie ist; aber da ihr in der äußeren behaglichen, ja glänzenden Lage, in die sie des Barons Reichthum versetzt, die Mittel nicht fehlen werden, alle Launen zu befriedigen, so mag sie immer bleiben, wie sie ist, wenn sie dabei nur ferner so gut und liebenswürdig sein wird, als sie jetzt geworden.«
Eugeniens Geständniß hatte ich in den Morgenstunden von ihr erhalten, den Tag über sprachen wir Beide kein Wort weiter darüber, Eugenie blieb viel in ihrem Zimmer, und mir war das sehr angenehm. Aber in der Dämmerstunde sah ich sie zu Tante Ulrike gehen, und endlich kam sie zu mir in die Wohnstube und sagte: »Gänseblümchen, da du doch hier auf der Hochschule bist und alles lernen sollst, so kannst du nun auch Studien machen, wie man sich als Braut in der Welt zu benehmen hat.«
Ich wußte nicht, was ihre Rede bedeuten sollte, und da ich wieder eine Neckerei dahinter vermuthete, sagte ich abwehrend: »Laß doch nur solche Späße, Eugenie, sie passen so wenig für mich!«
»Das ist mir ganz einerlei, ob es dir paßt, Kleine, wenn's mir nur paßt!« lachte sie. »Und Spaß mache ich ja gar nicht, es ist mein bitterer Ernst!«
»Meinetwegen, mir aber liegen solche Gedanken fern!« sagte ich ärgerlich.
»Nein, ich behaupte aber, sie liegen sehr nahe!« erwiederte Eugenie lustig. »Du meinst von mir so manches lernen zu können. Nun, jetzt kommt zu meinen übrigen Tugenden noch eine hinzu, und das ist die, mit Anstand Braut zu sein!«
»Eugenie, wie? du bist Braut?« fuhr ich überrascht empor. »So hat der Baron doch von selbst den Muth gehabt, sich dir zu erklären?«
»Der Baron! Nein, wer sagt das?« entgegnete Eugenie lachend.
»Nun eins mußte sich doch zuerst erklären, du hast doch nicht etwa....« stotterte ich blutroth.