»Du bist bei mir auf der Hochschule, wie Eugenie es nennt,« sagte die Tante, »da ist es denn auch nöthig, daß du lernst, dich auf Reisen zu benehmen. Alles will gelernt sein, also auch das Reisen, und da sich die Gelegenheit dazu gerade bietet, so wollen wir sie benutzen.«

Nun aber waren wir noch nicht so weit. Da die Hochzeit auf neues Drängen des Barons schon im Juli stattfinden sollte, hatten wir alle Hände voll zu thun, dem jungen Paare Haus und Wirthschaft einzurichten. Eugenie hatte zwar den besten Willen, an ihrer Ausstattung tüchtig zu helfen, aber daß es beim Wollen blieb, wußten wir vorher. Zum Glück kann man in einer großen Stadt alles, was man bedarf, gleich fertig geliefert erhalten, und von dieser Bequemlichkeit machten wir guten Gebrauch. Es war ein Vergnügen, all die schönen Dinge auszusuchen, welche Eugeniens reiche Ausstattung bildeten, und hatten wir unsere Angelegenheiten geordnet, so kam der Baron mit bittender Miene, doch auch ihm in seinen neuen Einrichtungen mit Rath und Urtheil beizustehen; denn sein altes Schloß mußte sich allerlei Neuerungen gefallen lassen, damit der schönsten jungen Frau nichts zu wünschen bliebe, wie er sagte.

»Das wäre eigentlich Arbeit für Mama!« meinte Eugenie lächelnd. »Sie schwärmt für neue Einrichtungen und hat sehr guten Geschmack.«

Tante Ulrike sah Eugenie forschend an und fragte, ob es ihr Ernst sei, und sie ihre Mutter auffordern wolle, uns zu besuchen. Eugenie erröthete und sagte niedergeschlagen: »Nein, Tante, besser sie kommt nicht! Du weißt es ja selbst, es ist besser für uns Alle.«

Tante Ulrike seufzte und küßte Eugenien, der die Thränen im Auge standen. Sie that mir innig leid, denn ich wußte wohl, der Brief, den sie von ihrer Mutter als Antwort auf die Anzeige ihrer Verlobung erhalten, war gar zu wenig mütterlich und hatte Eugenien heiße Thränen gekostet. Sie hatte zwar auch ihre Freude über die Verlobung ausgesprochen, aber es war doch nur Freude über die »gute, glänzende Partie,« wie sie es nannte; das innere Glück ihres Kindes, den hohen sittlichen Werth ihres Schwiegersohnes erwähnte sie mit keiner Silbe. Es leuchtete sogar etwas wie Neid und Mißgunst über die glänzende äußere Lage der künftigen Frau Baronin aus ihren Worten hervor, ja am Schluß des Briefes standen einige bittere Zeilen über ihre eigene unglückliche Ehe und über ihren armen, von ihr so vernachlässigten Gatten, von dessen Unglück sie einzig die Schuld trug, ohne es sich eingestehen zu wollen.

»Da Deine Hochzeit Anfang des Sommers ist, so bedaure ich, dazu nicht kommen zu können,« schrieb sie am Schlusse des Briefes. »Du weißt, ich leide seit einiger Zeit an der Leber, und die Aerzte rathen mir, Carlsbad dafür zu gebrauchen, eine Unterbrechung der Kur würde mir sicher schaden. Aber im Herbst, wo es hier so langweilig ist, ehe die Wintersaison beginnt, hoffe ich Dich auf Deinem Schlosse besuchen zu können.«

Daß dieser Brief Eugenien bitter weh that, begriff ich nur zu wohl, uns Allen aber konnte es nur lieb sein, in unserem glücklichen Beisammenleben durch solch herzlos weltliche Dame nicht gestört zu werden. Daß Eugeniens Vater zur Hochzeit kam, freute uns Alle von Herzen, denn an diesem hing Eugenie mehr und mehr, und mit der größten Ungeduld erwartete sie seine Ankunft.

17.
Der Mensch denkt – Gott lenkt.

Aber es kam anders, als wir Alle gedacht und gerechnet.

Der Baron war ein trefflicher Reiter, und es machte ihm Vergnügen, besonders unbändige Pferde seinem Willen dienstbar zu machen. Die muthige Eugenie freute sich ebenfalls an solchen Siegen ihres Geliebten, dessen Aussehen dabei ungemein stolz und männlich wurde, und ihr Lob feuerte den Eifer des kühnen Reiters oft bis zur Tollkühnheit an. Mir zitterte das Herz, und ich begriff Eugenien nicht, deren Augen bei der Gefahr ihres Geliebten doppelt leuchteten, während mir das Herz erbebte.