»Tante,« sagte sie plötzlich, »ist nicht der dir so befreundete Prediger Sommer der Geistliche unseres Kirchspiels?«

»Ja wohl, Kind, was willst du mit ihm?«

»Wo wohnt er, weißt du das?«

»Nun nicht weit von uns, in der Kronenstraße 12.«

»Danke!« Und sogleich verschwand Eugenie.

Wir blickten ihr verwundert nach und warteten begierig ihrer Rückkehr. Nach einiger Zeit trat sie etwas bleich wieder in das Zimmer, legte Hut und Shawl schnell ab und eilte in das Kabinet der Tante, wohin sich dieselbe zurück gezogen. Ich hörte sie lebhaft mit einander sprechen, ohne etwas Zusammenhängendes verstehen zu können, endlich aber kam Eugenie mit glänzenden Augen zu mir und fragte erröthend: »Gretchen, willst du morgen meine Brautjungfer sein, du und Marie?«

Ich fuhr erschrocken auf. »Morgen, Eugenie? Was meinst du denn?«

»Nun ja, morgen ist unsere Hochzeit, es fehlen mir nur die Zeugen dabei, alles andere ist möglich gemacht worden,« sagte Eugenie lächelnd. »Der Prediger Sommer ist ein braver Mann, er wird heute noch alles besorgen, was nöthig ist; meinen Taufschein habe ich zum Glück zufällig hier unter meinen Papieren, das war die Hauptschwierigkeit. Morgen ist Sonntag, da wird er uns früh ein für alle Mal verkündigen, und nach der Kirche traut er uns in Schloß Senftenburg. Bei Arthur bleiben muß ich, das geht nicht anders, und damit die Tante reisen kann, will ich schnell Arthurs Frau werden, dann darf Niemand etwas dagegen haben, daß ich allein bei ihm bleibe. Tante hat soeben ihre Einwilligung gegeben, mir fehlen nur noch meine Brautjungfern und für Arthur die Zeugen. Ich denke, Eduard und Dr. Hausmann werden uns gern diesen Dienst erzeigen, ich werde sehr liebenswürdige Briefchen an sie schreiben.«

»Aber der Baron, ist er denn damit einverstanden?« warf ich voll äußerster Ueberraschung ein.

»Er will mich ja gar nicht mehr zur Frau haben, ich muß mich ihm schon mit Gewalt aufdrängen und ihm die Sache über dem Kopfe fort nehmen!« lachte Eugenie schelmisch und flog hinaus.