Das war doch nun wieder ganz und gar im Style von Eugenien! Gut und brav und engelsgut, mehr als je zuvor, aber entschlossen, keck, amazonenhaft, wie sie all ihr Lebtag gewesen! Ich schüttelte bedenklich mein »ehrpußliches« Haupt, mit Eugenien zu sprechen, und eilte zu Tante Ulrike, mit dieser die Sache zu berathen. Zu meiner großen Verwunderung fand ich die Tante mit Eugeniens Entschluß ganz einverstanden und wurde sogleich mit allen möglichen Aufträgen beehrt, welche ich eilig und schleunig besorgen sollte. Sie selbst schrieb einige Briefe und kehrte dann nach Schloß Senftenburg zurück, dort Vorkehrungen für die morgende Feier zu treffen, begleitet von Pastor Sommer, welcher mit dem Prediger in Senftenburg gleich selbst alles in Ordnung bringen wollte, damit das junge Paar auch hier im Wohnorte des Barons in der Kirche aufgeboten wurde. Der Baron sollte absolut nichts vorher von alle dem wissen, da er sonst sicher aus Rücksicht für Eugenie seine Einwilligung nicht geben würde.
»Aber kehrt Eugenie heute denn nicht mit dir nach Senftenburg zurück? Und was soll der Baron davon denken?« fragte ich unruhig Tante Ulrike.
»Nein, sie will ihn erst im Brautkranze wieder sehen, ich soll ihm sagen, was ich will,« entgegnete die Tante lächelnd. »Mache nur jetzt und eile dich, sonst bist du am Ende eine Brautjungfer ohne Kranz für die Braut.«
Ich stürzte davon, so schnell ich konnte, aber ehe ich noch irgend etwas anderes besorgte, eilte ich zu meiner Marie, sie mußte erst alles erfahren, selbst auf die Gefahr hin, daß ich für Eugenien keinen frischen Myrthenkranz mehr bekäme.
18.
Ein froher Tag.
»Wird Eugenie heute auch nicht nach Senftenburg kommen, Tante Ulrike?« fragte der Baron traurig, als die Morgenstunden des Sonntags vergangen waren, und immer noch kein Wagen vorfahren wollte.
»O doch, lieber Baron!« entgegnete die Tante. »Sie wollte nur so gern mit Gretchen erst in die Kirche gehen, dann kommt sie. Aber wie wäre es, lieber Baron,« fuhr die Tante heiter fort, »wenn Sie heute einmal wieder ordentliche große Toilette machten! Sie dürfen Ihren armen Fuß zwar noch nicht in Bewegung setzen, aber außerdem sind Sie kaum noch ein Patient zu nennen. Zeigen Sie das Ihrer Braut, überraschen Sie das liebe Kind, die Sie nun lange genug in diesem vortrefflichem Krankenkostüme bewundert hat. Ja? soll ich Ihnen den Johann schicken?«
Der Baron warf ängstliche Blicke bald auf die Tante, bald auf seinen noch immer etwas verbundenen Fuß, dann sagte er: »Wenn Sie glauben, Eugenie freut sich darüber, so will ich es sogleich thun. Aber, liebe Tante,« fuhr er zögernd fort, »sagen Sie mir zuvor nochmals ganz offen, glauben Sie wirklich, daß Eugenie jetzt doch noch meine Frau werden will?«
Der Tante Gesicht wurde ernst. »Lieber Baron,« sagte sie fast streng, »ich wiederhole es Ihnen noch einmal, Ihr Zweifel an Eugeniens edlem Sinn wird das gute Kind beleidigen; darum bitte ich dringend, sagen Sie solche Worte nicht mehr. Glauben Sie denn so wenig an Eugeniens Liebe zu Ihnen? Halten Sie dieselbe wirklich für fähig, anderen Sinnes zu werden, es sei, aus welchem Grunde es wolle?«
»Aber beste Tante, bedenken Sie doch, die wunderschöne Eugenie das Weib eines Krüppels!« seufzte der Baron.