Es war ein zauberisch schöner Juliabend. Gleich Diamanten strahlten die Sterne am Himmel und wer nie eine amerikanische Sommernacht durchlebte, der hätte denken können, ein Teil der Gestirne wäre zur Erde herabgefallen, so glitzerten und funkelten die zahlreichen glow worms (Leuchtkäfer) allenthalben im tauigen Grase und duftigen Gesträuch. In traulicher Eintracht saßen Mutter und Tochter auf der kleinen Veranda, während Polly, eine junge Negerin, welche Grace, seitdem sie so guten Verdienst erzielte, zum Beistand der Mutter ins Hauswesen genommen, geräuschlos hin und her glitt und den Theetisch abräumte.

»Du bist heute so still, mein Kind, was ist Dir? Zuweilen scheint es mir, als ob Deine Gedanken ganz wo anders weilten, als zu Hause!« fragte Mrs. Northland, nachdem sie schon einigemal nach der prächtigen Rose geschaut, die an des jungen Mädchens Busen prangte.

»Ich denke darüber nach, daß wir doch jetzt sehr glücklich sein können, Ma,« entgegnete die Angeredete mit halb abgewandtem Gesicht.

»Du, mein Engelskind! Wie sorgst und plagst Du Dich für mich – das zu vergelten, vermag nur Gott,« flüsterte die ältere Dame in tiefer Bewegung.

»Ich ernte ja auch reiche Früchte. Die Mühe ist so gering, in anbetracht, daß ich Deine Stirn wieder ohne Sorgenfalten erblicke,« lautete die heitere Erwiderung.

»Du wolltest mir ja längst einmal etwas über die verschiedenen Häuser erzählen, in denen Du ein- und ausgehst, Grace. Ich hoffe, man begegnet Dir mit Achtung?«

»Sei außer Sorge, Mama. Noch niemals habe ich die geringste Zurücksetzung erfahren. Vor allen ist es –« (Grace zögerte ein wenig) »ist es Mrs. Clark, die stets in sehr liebreicher Weise zu mir spricht.«

»Mrs. Clark, eine noch junge Frau?«

»Etwa in Deinem Alter. Sie ist eine große volle Blondine, mit selten schönen, blauen Augen und – –«