Der verwundert mich anstarrenden Dienerin befahl ich, im Atelier sofort einige Lampen anzuzünden, während ich nur ganz beiläufig fragte, ob irgend eine Nachricht von meiner Frau gekommen wäre. Die bejahende Erwiderung bewies mir, daß man im Hause eben besser orientiert sei, als ich, der Ehemann. Denn bald erfuhr ich aus dem Munde des Dienstmädchens, Agnes gedächte schon in den nächsten Tagen zurückzukehren.

Deswegen mußte ich also fleißig sein, um das, was mir vorschwebte, rechtzeitig zu vollenden.

Nun gute Nacht, Bruderherz! Vielleicht schreibe ich morgen oder übermorgen weiter. Ich spüre nämlich in mir das Bedürfnis, einer fühlenden Seele mich mitzuteilen. Gehab Dich wohl und gieb bald Nachricht

Deinem

Gilbert.«


Berlin, den 8. Mai 188.

»Alter lieber Freund!

Wie neugeboren fühle ich mich, wenigstens, wie ein Mensch, der eine lange Krankheit überstanden und nun mit hoffnungsseligen Empfindungen in der Brust jetzt ein sonniges Dasein vor sich sieht. – Übrigens – Du bist ein Diplomat, Freundchen! Vielleicht haben auch Deine Briefe, der warme, herzliche, durchaus nicht mentorhafte Ton, der daraus spricht, sowie Dein stets vermehrtes Interesse für Agnes ein wenig zu meiner Heilung beigetragen.

Aber ich will dem Gange meines »kleinen Romans« nicht vorgreifen, sondern da weiter erzählen, wo ich im letzten Briefe stehen geblieben bin.