»›Fürwahr, ein sonderbarer Empfang! Aber Wir nehmen ein gegebenes Wort niemals zurück. Durchlaucht dürfen Sich von Uns eine Gnade erbitten. Sie soll gewährt sein. Eh bien?

»Die vollen weißen Arme verlangend nach dem Kaiser ausgestreckt, die blauen Augen in einem Ausdruck schwärmerischer Sinnlichkeit zu des Weltbezwingers Antlitz emporgeschlagen, flüsterte der Herzog mit frauenhaft sanfter Stimme, aber laut genug, um von den Anwesenden verstanden zu werden: ›Un baiser, Sir!

»Für Sekunden war es, als ob der lähmende Druck einer Erstarrung auf uns allen lastete. Wahre Totenstille herrschte ringsum, weil wohl jeder befürchten mochte, daß jetzt sicherlich ein brüskes, spottgefärbtes Lachen oder gar der Ausbruch jenes zügellosen Zornes – vor dem Europa zitterte – von den Lippen des Allgewaltigen hervorbrechen würde.

»Nichts davon. Trotzdem mir unter dem knappen Atlasleibchen das Herz in wilden Schlägen hämmerte, verwandte ich von Napoleon keinen einzigen Blick.

»Jetzt richtete sich die kleine Gestalt in der ihr eigenen hochmütigen Weise stolz empor – das stahlgraue Auge verfinsterte sich merklich, doch ohne daß in den charaktervoll wie gemeißelt erscheinenden Zügen der geringste Schimmer von Bewegung sichtbar wurde, stieß er schroff und verächtlich hervor: ›Vous êtes un fou! Adieu!

»Sprach's und verließ, von seiner glänzenden Suite gefolgt, unverzüglich das Gemach.

»So kläglich endete des Kaisers Besuch an unserem Herzogshofe.«

Unter dem Niagara-Falle.

Niagara-Falls, den 18. Oktober.

Teure Carrie!