Was hast Du da angerichtet? Zur Strafe für Deine Schwatzhaftigkeit sollst Du jedoch die Antwort auf Deinen Brief heute nur in Form einer Depesche erhalten, welche wohl genügen dürfte, Dich über die Begebenheiten der letzten Tage aufzuklären. – Also:
»Verratenes Inkognito! Mr. Clemens' Reise nach New York. Schüchterner Empfang und fieberhaftes Beben aller Glieder meinerseits. Wiederholte Besuche seinerseits. Niagara-Nixen begannen ihr Spiel. Unumwundene Beichte aller losen Streiche. Seliges Finden, – Verlobung! Es leben die Deutschen!
Deine Terrie.«
Nachschrift.
Arnulf schaut mir über die Schulter und findet diese lakonische Kürze meines Briefes fast beleidigend. Er läßt Dir daher sagen, daß er dem Feste im Weißen Hause und der witzigen Unterhaltung mit einer gewissen liebreizenden Blondine, die ein gütiges Geschick ihm als Schwägerin auserkoren, zwar viel, – sehr viel verdanke; aber jene unvergessene Stunde unter dem Niagara-Falle hätte es ihm nun einmal angethan, und würde er sich das Mädchen, welches damals so kindliche Hilfe suchend sich an seine Brust geschmiegt, zur Lebensgefährtin zu erringen getrachtet haben, auch wenn es – des Totengräbers Töchterlein geblieben! –
Zahnschmerzen.
»Schneller Entschluß – guter Entschluß!« heißt es im alten Sprichwort. Ich möchte aber lieber sagen: »eine Laune« hatte mich im Jahre 1876 zur Weltausstellung nach Philadelphia geführt.
Ein ziemliches Stück von Europa war ich bereits durchwandert; nur Amerika kannte ich noch nicht. Allerdings waren es keine besonderen Sympathien, die mich hinüber ins Land des allmächtigen Dollars zogen; aber es reizte mich, den Urtypus des Yankee gerade in dem Momente kennen zu lernen, wo die sonst kühl-materielle und egoistische Nation in vollster, ungeheuchelter Begeisterung über die Centennialfeier, das Bestehen ihrer hundertjährigen Freiheit, sich befand, wo ungeteilte Freude und Einigkeit herrschte und geherrscht hat – während der Julitage des Jahres 1876 in der Stadt der Bruderliebe.
Eine weitschweifige Schilderung der wahrhaft überraschend großartigen Ausstellung im Fairmount-Park mit ihren tausend und abertausend Menschen aller Nationen abzugeben, liegt nicht in meiner Absicht. Genugsam ist darüber bereits geschrieben und gesprochen worden, obgleich bei uns in Deutschland dadurch nur ein geringeres Interesse hervorgerufen wurde. Ausstellungen sind ja seitdem an der Tagesordnung.
Nachdem ich die mir unglücklichem Neulinge tropenhaft erscheinende Gluthitze, die damals über Philadelphia lag, bis zur Erschlaffung durchkostet und alle die Qualen eines bei lebendigem Leibe Gebratenen erduldet hatte, langte ich nachmittags mit dem 4 Uhr-Train, völlig abgespannt, in dem – wenigstens im Vergleich zu Philadelphia während der Exhibition – stilleren New York an.