»Es ist nur um seinetwillen! Iron Hand (die eiserne Hand) soll einst das reiche Wissen und die Gelehrsamkeit der weißen Männer mit dem Verstande und dem Mutterwitz seines Stammes verbinden. Meine Lebensaufgabe besteht einzig noch darin, seine Studien zu überwachen, für ihn zu arbeiten und das Vermögen, welches sein teurer, tapferer Vater ihm hinterlassen, zu verdoppeln – zu verdreifachen! Mein Sohn soll Medizin studieren,« setzte sie mit einem Blick voll Stolz und Zärtlichkeit hinzu.
Ich vermochte ein Lächeln nicht zu unterdrücken, und ihr scharfer Geist mußte meinen Ideengang erraten haben, denn sie sagte schnell:
»Nun ja! Ich selbst pfusche den Ärzten so ein klein wenig ins Handwerk. Mein großes Interesse an der Heilkunde hat mir schon manche trübe, einsame Stunde erhellt Ich schöpfe nur aus der Natur, kenne deren geheimnisvolle Kräfte, und meine Mittel helfen zuweilen besser, als die der hochgelehrten Herren dort drüben in der City.«
Freudig zustimmend nickte ich mit dem Kopfe. Einen Moment schaute sie mich scharf und prüfend an; dann rief sie lebhaft:
»Besuchen Sie mich, Sir! Ich sehe, Sie sind ein welterfahrener, edeldenkender Mann, der die Vorurteile des Kastengeistes von sich abgestreift hat, dessen Gesichtskreis unbegrenzt ist. Mit solchen Menschen verkehre ich gern; ihnen zeige ich mich auch von einer anderen Seite, als wie der übrigen Welt, die in Mary Powl nur ein halb verrücktes weibliches Original sieht. All right! Sie kommen?«
Mit wirklich anmutigen Bewegungen, jedoch ohne jede Spur von Koketterie, und mit herzgewinnendem Lächeln reichte sie mir die Hand entgegen.
»Gewiß, Madame! Mit dem allergrößten Vergnügen,« erwiderte ich, ihre Rechte herzlich drückend.
Diese Frau gefiel mir. Es lag so viel Urwüchsigkeit, so viel angeborene Vornehmheit in ihrem Wesen, nebenbei sprach aus jedem ihrer Worte Geist und tiefes Denken, so daß für mich in dem freundlichen Anerbieten ein eigener Reiz lag und ich mir interessante Stunden und Erinnerungen von diesem Besuche versprach. Mary Powl nannte mir ihre Adresse. Darauf schaute sie nach der im Sinken begriffenen Sonne und erhob sich.
»Und wie soll ich meiner gütigen Helferin aus jenem unerträglichen Zustande danken?« fragte ich, indem ich fast ehrfurchtsvoll den Hut vor ihr zog.
»Damit, daß Sie dieser Stunde ein Andenken bewahren, mein Herr!« war die ernste Antwort.