Sofort sank die Hand mit dem Pistol herab, und, mehr erschreckt als unwillig, fuhr sein Kopf nach mir herum.
»Was soll's? Du weißt ja, Maud, daß ich nicht gern gestört bin!« kam es leise, doch grollend über seine Lippen.
Allein trotz dieses wenig ermutigenden Empfanges hatte ich mich ihm rasch genähert und begann ohne Zögern:
»Die große Wichtigkeit dieses Besuches hier, ja meines Anliegens an Sie, Mr. Newland, überwiegt das Peinliche, was zweifellos für mich in diesem etwas dreisten Vordringen eines Ihnen fast Fremden liegt!«
Franks geistvolles, dunkelumrahmtes Auge richtete sich bei diesen Worten ganz seltsam scheu und fragend nach dem meinen, indem er herb und zögernd erwiderte:
»Wegen meines Leidens empfange ich niemals – grundsätzlich niemals Besuche. Doch, wenn sie« – (ein vibrierender, auffallend zärtlicher Ton lag in diesem: sie, womit er der Gattin Hand sanft drückte) – »ausnahmsweise jemanden bei mir einführt, dann muß ich mich allerdings schon von der Notwendigkeit durch dies Abweichen von der Regel überzeugen lassen.« Er verbeugte sich gegen mich und fügte etwas weniger schroff, indes mit immer noch tief ernster Stimme hinzu:
»Meine Frau hat mir bereits von Ihrer Liebenswürdigkeit und Ihren menschenfreundlichen Gesinnungen erzählt, Mr. Berken! Es ist ein edler Grundzug im Charakter der Deutschen, daß Teilnahme und Freundschaft bei ihnen nicht leere Worte sind, sondern dem Herzen entspringen.«
Dabei legte er die kleine Schußwaffe beiseite und reichte mir die Finger hin. Eine müde Apathie machte sich im Wesen dieses Mannes bemerkbar und verlieh ihm, verbunden mit dem schmerzlich krankhaften Zuge seines schmalen Gesichts, den Anstrich eines wirklich Leidenden.
So ruhig und fest, daß ich mich in diesem Momente selbst über meine Fassung wunderte, erwiderte ich:
»Der Hauptgrund unseres Charakters ist eine unüberwindliche, ja, so zu sagen, schon mit der Muttermilch eingesogene Abneigung gegen jeden falschen Schein.«