Ganz sonderbar stutzte er, während ein halb wirrer Blick über meine Gestalt hinwegglitt, und gleichsam fragend wandte er sich nun nach seiner jungen Frau, welche mit im Schmerz gefalteten Händen in einen Sessel gesunken war.
»Ich muß wohl annehmen, daß Sie einen besonderen Zweck mit diesem – Besuche verbinden?« entfuhr es in harten, schroffen Tönen seinem Munde, indem er nun, wie zu einer kampfbereiten Stellung, sich vor mir aufrichtete und bald noch heftiger hinzufügte: »Sie hassen den Schein! Sehr gut, mein Herr! Aber unter welchem Vorwande erklären Sie mir dann Ihr sonderbar geheimnisvolles Benehmen, welches zweifellos irgend eine Absicht – einen Hintergedanken verrät? Denn nur allein deshalb hierher in mein Zimmer zu kommen, um einen Ihnen fast Unbekannten, der Ihnen niemals störend in den Weg getreten, mit zweideutigen Reden zu intriguieren, dafür halte ich Sie, Mr. Berken, doch für zu gentlemanlike und edel.«
»Sie scheinen viel Menschenkenntnis zu besitzen, Mr. Newland!« gab ich ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, zurück. »Wohlan denn! Den Grund dafür kennt bereits Ihre verehrte Gemahlin; es ist der, daß ich Ihnen mit Rat und That behilflich sein möchte, Ihre unwürdigen Fesseln zu sprengen! Ist diese Antwort nicht klar und verständlich genug?«
Durchdringend heftete ich dabei meine Augen auf das abgehärmte Männergesicht. Doch nur ein leise gurgelnder Ton drang über seine Lippen, während er haltlos mehrere Schritte nach rückwärts taumelte.
»Ich dulde keine Einmischung in meine Angelegenheiten!« stieß er endlich nach wenigen Sekunden wild heraus. Sein Auge funkelte und jede Fiber des schlanken, aber sehnigen Körpers schien in Erregung und Leidenschaft zu zucken. Dann aber lachte er gellend auf. »Und wissen Sie, mein Herr, was wir Amerikaner aus tiefster Seele verachten? Das sind glattzüngige Schleicher, die hier und dort mit dem löblichen Grundsatze: ›der Zweck heiligt die Mittel‹ herumspionieren und schließlich doch nur Unheil stiften! Solche Leute sind mir in den Tod verhaßt. Und nun, mein Herr, bitte ich, daß Sie in Zukunft mich unbelästigt lassen!«
Damit kehrte er mir den Rücken und schritt dem Fenster zu. Hier schien demnach der Sieg nicht ganz so leicht, als unten im Parlour über die junge Frau, dachte ich unentschlossen. Doch kam schon die kleine Verbündete mir rasch zu Hilfe, indem sie, emporspringend und zu dem Gatten hinübereilend, rief:
»O Frank! Sei barmherzig! Um Deiner Liebe zu mir – um unseres Elends willen, weise diesem Herrn nicht so schroff die Thür! Denn gerade er, Mr. Berken, will uns ja dazu verhelfen, daß der waghalsige Plan, der schon längst in Deinem Kopfe reifte, aber stets wieder vereitelt wurde, wirklich einmal zur Ausführung gelangt. Ich flehe Dich an, Frank, lasse diese gute Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen! Denn ohne energischen Beistand käme es nie – nie dazu!« sprudelte das schöne Weib in flammender Begeisterung für die Sache wild hervor. »Du bist so gut und treu, voller Liebe und Rücksicht für mich, aber dennoch bloß ein schwankendes Rohr gegenüber der Macht und dem Willen Deiner Mutter!«
Ich war ebenfalls näher getreten und sah deutlich, wie eine heiße Blutwelle Mr. Franks Stirn verdunkelte.
»Schweig, Maud! Du vergißt Dich. Dein noch unerfahrener Sinn setzt Vorsicht und Pflichten außer acht!« raunte der Gatte unter keuchenden Atemzügen ihr leise zu.
Allein sie beachtete diese Warnung nicht. In zwei Sätzen sprang die graziöse Gestalt zu mir herüber, faßte stürmisch meine Hand und rief: