Einem Traumbefangenen gleich stand er vor mir und stotterte nur ein paarmal hintereinander:

»Ich danke – danke Ihnen, mein Herr!«

Seit ich mein deutsches Vaterland verlassen, war, glaube ich, eine ähnliche Anwandlung von Rührung und seelischer Befriedigung nicht über mich gekommen, als zu jener Stunde, die mit allen ihren Einzelheiten klar und fest sich bis zum heutigen Tage meinem Gedächtnis eingeprägt hat.

Stillschweigend hatte ich meinen Hut ergriffen und gedachte mich unbemerkt zur Thür hinauszuschleichen. Allein der blonden Frau war meine Absicht nicht entgangen. In stürmischer Hast rannte sie mir nach und faßte beinahe leidenschaftlich meine Rechte.

»Nein, so dürfen Sie nicht fort, Mr. Berken! O, es sieht Ihnen ganz ähnlich, daß Sie unseren Dankesworten sich entziehen wollen! Die wahre Großmut ist ja immer still und bescheiden, und ihr Deutschen seid alle von Natur so edel! Wirklich grausam wäre es gegen uns, nicht noch einen letzten, warmen Händedruck, einen letzten Abschiedsblick des einzig wahren, teilnehmenden Freundes für unser armseliges Geschick zu erhalten!«

So klang es in schmelzenden Tönen an mein Ohr. Wehmütig lächelnd blieb ich stehen, indem nun auch Mr. Wilson sich mir näherte und mit stummem Schmerze mir ins Auge schaute.

»Leben Sie wohl, Mr. Berken!« sagte er, nachdem er seiner sichtlichen Bewegung endlich Herr geworden. »Was Sie vollbracht haben, ist eine That, welche mit der Dankbarkeit eines ganzen Lebens kaum gelohnt wäre, und die nur Gott zu vergelten im stande ist! Sie werden von uns hören. Leben Sie wohl!«

Noch einmal schüttelten mir die beiden Verwaisten – diesen Eindruck machten sie auf mich, als sie, Arm in Arm, tiefste Wehmut im Angesicht, mir gegenüberstanden – die Hände. Dann schloß sich die Pforte hinter mir und ich stand auf dem Vorsaal.

Indes schien jetzt durchaus keine Zeit mehr, sich schmerzlichen Gefühlen und Reflexionen hinzugeben. Die Uhr zeigte 6½ und der Zug, welchen das junge Paar benutzen sollte, verließ New York in einer Stunde. Rasch sprang ich die Treppe hinab. Unglücklicherweise begegnete mir im Vorsaal, wo die Parlours mündeten, Miß Emmerson.

»Nun, wohin so eilig, Mr. Berken? Sie sehen ja ganz erhitzt aus,« warf die Dame lächelnd hin.