»Es ist oben in meinem Zimmer eine Bärenhitze und möchte ich mit der offenen Car (Pferdebahnwagen) etwas hinaus in den Central-Park fahren,« log ich mit abgewandtem Gesichte.

»So? Dann werden Sie zum Essen schwerlich zurück sein – hm!« Eine Weile sah sie mir kopfschüttelnd und durchdringend in die Augen. »Nun, ich bin weit davon entfernt, Sie mit indiskreten Fragen zu belästigen. Aber – an der Nase sehe ich es ja Ihnen an, daß irgend etwas faul ist im Staate Dänemark. Dazu kenne ich Sie zu genau. Well, über das dinner machen Sie sich nur keine Sorgen! Für Sie wird es aufbewahrt. Viel Vergnügen, Mr. Berken!« Damit schritt meine alte Freundin majestätisch ihres Weges.

Jedenfalls muß ich ein sehr dummes oder verblüfftes Gesicht gemacht haben, und war wirklich froh, als ich draußen in frischer Luft mich befand. – –

Erst gegen 8 Uhr abends kehrte ich nach planlosem Herumstreifen in der City zurück, weil ich es aus verschiedenen Gründen für zweckmäßig erachtete, daß die Abreise der Wilsons sich ohne meine Anwesenheit vollzog.

Unbefangen betrat ich das Speisezimmer, wo in der That noch ein gedecktes Couvert für mich auflag. »Gute Miß Kathe!« dachte ich befriedigt; denn ich war hungrig und freute mich auf eine kräftige Mahlzeit. Allein nichts verriet mir in der nächsten Viertelstunde, daß irgend etwas Besonderes im Hause vorgefallen. Der aufwartende Neger machte ein völlig indifferent stumpfsinniges Gesicht und die das Diningroom zufällig passierenden Logiergäste begrüßten mich nur mit einem kurzen »Good evening, Mr. Berken!« Trotzdem aber lag es mir wie eine Gewitterschwüle auf dem Gemüte. Waren meine Schützlinge unbehindert und glücklich fortgekommen? Zu fragen wagte ich nicht, hoffte daher auf einen günstigen Zufall, der es mir verraten würde.

Wirklich, als ich nach beendetem Speisen die Treppe nach meinem Zimmer emporstieg, trat Miß Emmerson aus den von dem jungen Paare bewohnten Gemächern heraus auf den Flur. Wir stutzten beide, und alsbald drang ein sonderbarer Geruch nach verbranntem Papier durch die geöffnete Thür mir entgegen.

»Ah – zurück?« fragte sie leichthin, doch merkte ich bald, daß in dem sonst freundlichen Gesichte ein merklich ernster Ausdruck lag.

»Ja, Miß Emmerson! Und ich habe mir soeben Ihre vortrefflichen Gerichte schmecken lassen!« erwiderte ich mit möglichster Heiterkeit.

»Nun, mein dinner ist mir heute recht gestört worden durch die sonderbare, fluchtartige Abreise zweier meiner Gäste!« war ihre etwas scharfe Antwort.

»Fluchtartige Abreise?« fragte ich mit einer äußerst wohlgelungenen Miene des Staunens, wodurch die alte Dame sofort veranlaßt wurde, halb befriedigt und freundlicher den Kopf zu wiegen.