»Nun, ich dachte mir eigentlich, daß Sie vielleicht etwas mehr von diesen Leuten wüßten, weil die kleine Blondine mit den Taubenaugen bei Tische immer so zutraulich zu Ihnen redete, und Sie, Mr. Berken, heute so sonderbar! ... Na, einerlei – die Newlands sind fort!«

»Alle?« entfuhr es etwas unbedacht von meinen Lippen.

»I bewahre! Nur das junge Paar – scheinbar nur auf eine Woche, wie das Frauchen schüchtern mir versicherte! Doch ich möchte, obgleich hier drinnen in den Schränken noch alles voll Sachen hängt, die höchste Wette eingehen, daß es auf Nimmerwiedersehen ist. Das kommt aber bei solch leichtsinniger Sippschaft gar nicht darauf an. Nebenbei haben sie in den Zimmern einen Gestank zurückgelassen, als ob mindestens zwei Zentner Makulatur verbrannt worden wären. Als ich hineintrat, mußte ich wohl zwanzigmal hintereinander niesen und konnte vor Rauch die Augen kaum aufthun, so daß ich schon fürchtete, man habe mir die Bude über dem Kopfe angesteckt. Aber schließlich kann es mir ja gleichgültig sein!« argumentierte Miß Kathe lebhaft weiter; »denn bezahlt ist alles bis zum Ersten, – und mit den übrigen mache ich morgen früh auch ein Ende. Die rasche Abreise der beiden ist mir einzig nur des Geredes im Hause wegen fatal, zumal ich, wie Sie wissen, ohnedem schon heute Nachmittag einen heiklen Besuch erhalten.«

»Auf keinen Fall würde ich es beklagen, daß die jungen Newlands fort sind!« versetzte ich, höchst gleichgültig das Gähnen unterdrückend. Doch spähte ich trotzdem neugierig durch die halbgeöffnete Thür ins Zimmer hinein. »Die Alte wird schöne Augen machen, wenn sie bei ihrer Rückkehr die lieben Kinder nicht mehr findet, Miß Emmerson!«

»O, die hat längst von der Flucht gewußt! Das war alles geplant und abgekartet.«

»So – glauben Sie?«

»Sicherlich! Ich wundere mich nur, daß Sie, Mr. Berken, bei Ihrem scharfen Beobachtungstalente nicht auch Wind davon gekriegt haben!«

Ich lachte sie heiter an.

»Wer wird so mißtrauisch sein, Miß Kathe. Was gehen mich denn diese Menschen an? Wahrlich, ich habe ja gar keine Zeit dazu, mich so viel um den lieben Nächsten zu bekümmern.«

Die alte Dame schien völlig beruhigt, und freundschaftlich wünschten wir uns gegenseitig Good night!