Gerichtsschreiber des Landgerichts II.
ANHANG.
I.
Der Spitzel Toifl.
Der Hauptzeuge der letzten Prozeßtage, Spitzel, Aufrührer, Mädchenverführer (nach Aussage einer Zeugin) heißt nicht etwa Beelzebub, aber Toifl. Ein unorthographischer Teufel. Ein Opfer des Spitzelsystems heißt Faust und der Vormund Toifls: Bischof. O unergründliche Ironie des Zufalls!
Zeuge Toifl ist Spitzel, agent provocateur gewesen. Im Dienst der M. P. A. Das heißt nicht etwa: Macht praktische Arbeit, sondern Militärpolitische Abteilung.
Toifl ist Österreicher, immer noch. Obwohl er M. P. A. war. Ein bißchen glatt und leichtfertig. Seine Moral dreht sich in fettig geölten Angeln. Patent „Teufel“. Er fühlt sich unglücklich in seiner namenlosen Alltäglichkeit. Es gilt Bildungs- und gesellschaftliche Hindernisse wegzuradieren. Die Revolution ist ein günstiger Zufall. Sie bricht gerade aus, da Toifl anfängt, sich nach einer Karriere umzusehen. Spionage, denkt er, ist ein Sprungbrett. Er spielt gesellschaftlich die Rolle eines ehemaligen österreichischen Fähnrichs. Sein Gesicht ist von jener blassen, blonden Leere, der man unter Umständen die Fähnrichscharge glauben darf ... Wie er so auftritt, nett, blond, in dunkelblauem Anzug, und elastische Schritte posiert, macht er einen braven Eindruck. Typus aufgeweckter Junge.
Bei näherem Zusehen aber knetet er in zappeligen Händen ein schweißdurchtränktes Taschentuch, kämpft er sich mühsam ein bißchen Haltung ab. Bemüht, gelassene Eleganz vorzutäuschen, zieht er kleinbürgerlich sorgfältig die gebügelte Hose hinauf, so oft er sich setzt. Und man sieht: er ist gar nicht elastisch. Seine Seele schreitet nur sozusagen auf Gummiabsätzen.
Joseph Roth.
(Neue Berliner Nr. 145, 1920.)
II.
Zum Blau-Prozeß.
Dieser Prozeß wird einst unter den Dokumenten der bürgerlichen Kultur mit an erster Stelle stehen, – obgleich für das Gericht gerade da das Interesse aufhörte, wo das Interesse der Allgemeinheit anfing.