Ich habe lange da oben zwischen den alten Gräbern gestanden. Schaute den Vögeln zu, wie sie so eifrig Halme und Moos in den Schnäbeln anschleppen, da sie durch Generationen lange Erfahrung gelernt haben, daß sich im Schutz der Kirche gut Nester bauen läßt.

Dann ging ich dem Garziner Schloß zu.

Da lag es nun vor mir.

Ganz unverändert, wie damals vor all den Jahren. Nur noch etwas verlassener; ungehegt und ungepflegt aussehend. Ich blieb stehen. Tränen traten mir in die Augen. Aus meiner tiefen Einsamkeit heraus möchte ich dem alten Haus, wie einem Menschen, sagen: »Hab mich lieb! Hab mich lieb!« Und ich meine, es müsse mir antworten: »Endlich, endlich, bist du heimgekehrt.«

Der große grüne Rasenplatz mit den vier runden Fliederbüschen, die voll lila Blütendolden sitzen – die alte Sonnenuhr – die Rampe, die zum Schlosse führt – und das Schloß selbst, ein großes zweistöckiges Haus, dessen ganz einfach glatte Fassade zu Schinkels Zeiten mit griechischen Ornamenten verziert worden ist, die in der märkischen Umgebung noch immer etwas über sich selbst Erstauntes haben – alles ganz wie damals! Zu beiden Seiten des Hauses stehen noch die alten Linden, deren Zweige auf dem Boden schleifen, und die eine Wand ist noch mit dem uralten Efeu bedeckt, in dem zahllose Spatzen zwitschern.

Ja, das war einst Heimat!

Ich stehe und schaue. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen zu einem einzigen, unendlichen Wehmutsgefühl, das die ganze Welt zu erfüllen scheint.

»Wollen Sie nicht auch das Schloß besehen?« fragt mich da plötzlich der junge Mann im Radelkostüm, und ich gewahre die ganze Berliner Familie, die von einem jungen Bauernmädchen geführt wird, das Schlüssel trägt.

»Wird es denn gezeigt?« frage ich.

»Na und ob,« antwortete der Sportjüngling. »Für'n Trinkjeld an das Inspektormädchen können wir uns auch mal so'n Heim von die notleidenden Ajrarier besehen.«