Zwei Tage später erhielt die Gräfin die entsetzliche Nachricht, daß ihr Gemahl todtkrank in einem kleinen Dorfe an der Grenze von Tyrol daniederliege. Auf der Rückreise begriffen war er mit dem Wagen umgeworfen und schwer verletzt in das Haus des menschenfreundlichen Caplans in B. getragen worden. »Eilen Sie,« schrieb der würdige Geistliche an die Gräfin, »dem Sterbenden den letzten Trost ihrer Gegenwart zu bringen, er nennt Ihren Namen mit dem Ausdruck innigster Sehnsucht.«

Czinka war fast gelähmt vor Schreck und Trauer. Sie ließ sogleich das Nöthigste packen und reiste wenige Stunden nach Ankunft der Schreckensbotschaft in Begleitung ihres Hausarztes nach dem Orte des Unglücks ab. Nach beschwerlicher, unausgesetzter Fahrt von mehreren Tagen, kam sie gegen Abend in dem lieblichen B. an. Sie ließ sich ohne Aufenthalt in's Pfarrhaus führen. Es lag wenige Schritte vom Dorfe entfernt in einem reizenden Garten, und sah aus wie eine Stätte des Friedens, wie ein Zufluchtsort für müde Wanderer. Der schöne Greis, der ihr grüßend auf der Schwelle entgegentrat, erschien ihr wie ein gottgeweihter Bote der Genesung. Sie streckte ihm beide Hände entgegen und brach in Thränen aus, unfähig zu fragen oder seinen Gruß zu erwiedern.

»Er lebt noch,« war sein erstes ernst-mildes Wort.

Erschöpft sank sie nun auf eine kleine Bank im Hausflur und faltete die Hände. Die Schwester des Caplans trat jetzt aus einer Seitenthür, eine freundliche Gestalt mit dem Antlitz einer barmherzigen Schwester, und führte die Fremde in ein kleines zierliches Zimmer.

»Ruhen Sie eine Stunde hier,« bat sie sanft, auf das blendende Bett zeigend, »Sie brauchen Kraft seinen Anblick zu ertragen – der Odem ist noch in ihm, aber noch ist die Besinnung nicht wiedergekehrt!«

Czinka's Augen füllten sich von Neuem mit heißen Thränen, dann aber warf sie ihre Reiseumhüllungen ab und sagte entschlossen:

»Wie könnte ich ruhen, ohne ihn gesehen zu haben! Ich bitte, führt mich sogleich zu ihm!«

Niemand versuchte sie zurückzuhalten. Mit bebenden Knien trat die junge Frau in das enge halbdunkle Krankenzimmer. Da lag er, der sie in der Fülle der Gesundheit und Kraft verlassen, bleich und regungslos, das Gesicht entstellt und verzerrt von tausend Schmerzen, das Haupt in Tücher geschlagen und den linken gebrochenen Arm in den Schienen des Verbandes. Czinka's Herz bebte vor Schmerz. Sie neigte sich über ihn, sie nannte seinen Namen, – er regte sich nicht – nur zuweilen öffnete er müde und schwer die Augen, aber der Blick blieb glanzlos und starr.

»Ich bleibe bei ihm bis zum letzten Athemzuge,« sagte jetzt die Gräfin und sank, im innersten Wesen gebrochen, an dem Lager des Kranken auf einen Schemel.