| »Die Gluth verzehrte mir das Mark in den Gebeinen, |
| Und diese machet auch die Gruft zu Feuersteinen. |
| Ihr Tobaksbrüder kommt und tretet noch heran, |
| Zieht Stahl und Schwamm hervor und schlagt euch Feuer an.« |
Als hierauf Gellert doch leise an die verrinnende Zeit zu mahnen wagte, las die berühmte Frau noch schnell ein Lied auf die »garstige Lorette«, einige »zufällige Gedanken über einen Mopsen«, ein geistlich Lied, und schloß dann mit den Strophen:
| »Bin ich der Arbeit überdrüssig, |
| Die man von Damen fordern kann, |
| So kommt mir, weil ich nicht kann müssig |
| Wie Viele gehn, das Dichten an. |
| Da greif' ich schnell zu meiner Feder, |
| Ob selb'ge gleich nur, wie ihr wißt, |
| Von schlechtem Gänserumpf und Leder |
| Und nicht vom Schwan geborget ist.« |
»Herrlich!« rief die Volkmann, klatschte in die Hände und sprang auf, um die Zieglerin zu umarmen, »man könnte euch allein schon lieben um der wunderbaren treffenden Wahrhaftigkeit willen in Euren meisterlichen Gedichten, Höchstverehrte! Aber nach Euch wage ich nicht in meine Leier zu greifen! Aber ich habe einige Kleinigkeiten unserer Freundin Hedwig Zäunemann aus Erfurt mitgebracht, die, wie Ihr Alle wohl vernommen, vor vier Jahren, bei Arnstadt von einem Brückenstege fallend, eines kläglichen Wassertodes gestorben. Sie hat mir noch wenig Tage vor ihrem unerwarteten Sterben damals ein anmuthig Verslein über unsere Stadt Leipzig eingesandt, allwo sie so oft glückliche Tage verlebt, und das folgendermaßen lautet:
| »Was man vordem in Rom, Athen und Tyro fand, |
| Was diese wünscheten, wonach Karthago stand, |
| Das läßt die Lindenstadt, das schöne Leipzig sehn, |
| Welch Pinsel, welcher Kiel kann dessen Ruhm erhöhn?« |
Ein ander Gedichtlein von ihr greift die Männer an, meine Freunde, und liest sich auch recht gut. Hört nur!
| »Ihr Männer, bildet euch nicht ein, |
| Als ob Vernunft, Verstand, Gelehrsamkeit und aufgeklärter Sinn |
| Sollt' Euer Eigenthum und Erbrecht sein. |
| Nein wahrlich, der das Firmament gesetzt, |
| Der hat das Weibervolk nicht minder hoch geschätzt, |
| Und ihnen auch Verstand und Witz verlieh'n. |
| Es soll wie Ihr des hohen Geistes Gaben |
| Auch im Besitze haben. |
| Drum muß ihr Lorbeerzweig so wie der Eure blühn, |
| Zürnt, tobet, lästert, neidet immerhin, |
| Ihr werd't es doch nicht hindern können, |
| Ihr sollt und müßt denselben doch die Ehre gönnen, |
| Drum bildet Euch, Ihr Männer, ja Nichts ein!« |
Ein heiteres Wortgespräch entspann sich nach diesem Madrigal, worin sich insbesondere Gottsched selber und die Volkmann hervorthaten. Aber die Zieglerin gönnte ihrer freundlichen Feindin nicht lange das Vergnügen die Gesellschaft durch ihren Witz zu belustigen, und unterbrach die Debatte mit der dringenden Bitte: die theuerste Teuberin, verwitwete Knackrüggin, möge der Versammlung nun auch einige Proben ihrer herrlichen Kunst ablegen. Die würdige Matrone ließ sich auch nicht allzulange bitten, obgleich sie zuerst behauptete, Nichts bei sich zu haben. Der geschwollene Arbeitsbeutel aber bewies genugsam, daß sie auf den Fall, die »lieben Freunde zu erlustiren mit den Spielen ihres schwachen Geistes« vorbereitet war, und selbiger wurde denn auch mit manchem Scherzwort ausgeleert. Es kamen da allerlei unschuldige Betrachtungen hervor, wie zum Beispiel: »Gedanken bei des Sohnes erster Predigt,« »beim Gesindemiethen,« »beim Aderlassen,« »bei der Wäsche,« »Gedichte auf einen Donnerschlag,« »auf den Tod meines Gatten,« »auf die Tugend der Weiber,« mit welchem Verse sie auch endlich ihre gewaltig lange Vorlesung zu allgemeiner Zufriedenheit, folgendermaßen beschloß:
| »Ein Weib, das reinlich ist und jeden Unflath hasset, |
| Ein Weib, das sparsam ist und niemals Geld verprasset, |
| Ein Weib, das fleißig bleibt, die Kinder wohl regieret, |
| Ein Weib, das ihr Gesind' mit Lust zur Arbeit führet, |
| Ein Weib, das freundlich ist, lacht leise, redet wenig, |
| Ein Weib, dem Mann getreu, doch mehr dem Himmelskönig, |
| Ein Weib, das Gott, den Mann und ihre Kinder liebt, |
| Verdient ein größ'res Lob, als hier die Feder giebt.« |