Wundervoll muß einst die große Moschee, die Musallah, gewesen sein, deren Minarette, obgleich zerstört, noch heute prächtigen Kachelschmuck tragen ([Abb.7]). Die Farben, die hier verwendet wurden, sind ein tiefes Preußischblau, ein lichtes, etwas ins Grünliche spielendes Hellblau, Ocker und Dunkelgrün. Und diese Farben sind so fein gegeneinander abgestimmt, daß die bunten Muster einen im höchsten Grade harmonisch wirkenden Eindruck hinterlassen. Weiße Blumenranken schlingen sich durch dunkles Blau und verknüpfen sich mit ockerfarbenen Blüten, während grüne Kränze eine mit Weiß in Tiefblau geschriebene Inschrift einfassen. Andere Stellen hingegen zeigen wieder Rosettenmuster oder einzelne große weiße Blüten auf tiefblauem Untergrunde. Die blauen Töne überwiegen bei weitem, lassen dadurch aber die ockergelben und grünen um so besser und wirksamer hervortreten. Prachtvoll sind die großen weißen Marmorplatten, aus denen kufische Inschriften herausgemeißelt sind.

10. Innenhof der Freitagsmoschee, Herat

Der Bau dieser Moschee soll im Jahre 1192 von Ghyaz Eddin begonnen und von seinem Sohne Mahmud beendet worden sein (1212). Darauf aber wurde sie von Dschinghis-Khan teilweise zerstört, um dann von Sultan Hussein Mirza neu aufgebaut zu werden. Ihm und Schah Rukh verdankt Herat seine schönsten Bauten. Eine andere Version schreibt den Bau der Musallah auch der Frau des Schah Rukh zu.

11. Militärschüler in Herat

Inmitten der Minarette, in Schutt und Staub, von einer kleinen Mauer eingefaßt, steht der schwarze Marmorsarg, der die Stelle bezeichnet, wo Sultan Hussein Mirza begraben liegt ([Abb. 9]). Prachtvolle Blumenmuster sind aus dem schwarzen Marmor herausgeschnitten, selbst in Indien habe ich kaum schönere Arbeiten gesehen. Die Moschee soll ursprünglich dazu bestimmt gewesen sein, die Überreste des heiligen Imam Risa aus Meschhed aufzunehmen. Die große Kuppel, die die Moschee zu der schönsten ganz Asiens machte, ist 1885 aus fortifikatorischen Gründen niedergelegt worden.

12. Afghanische Offiziere, Herat

Noch heute findet man im Schutt und Staub Stücke alter Kacheln von gelber Farbe mit echten Goldfünkchen unterlegt und samtschwarz mit hellen Flecken, die wie Perlmutter in allen Farben schimmern. Die Pracht dieser Bauten muß unbeschreiblich schön gewesen sein.