20. Kuh-i-Baba von Süden
(Quellgebiet des Hilmend)

Gegen ein Uhr ziehen wir auf den Scharak-Kuschta-Paß. Alle gehen zu Fuß; wir sind froh, daß es zu schneien aufgehört hat. Mesjidi Khan ist weit vorangeeilt; er klettert wie eine Katze; ihm macht die Luftverdünnung nichts aus. Wir aber bleiben alle paar Minuten stehen und schöpfen Luft. Auch die armen Tiere kommen nur langsam vorwärts. Gul Mohammed ist weit zurückgeblieben, da das eine Pferd nicht mehr weiter will. Wieviel Elend diese Felsen wohl schon gesehen haben mögen! Ich zählte im Verlaufe unseres heutigen Paßüberganges acht Skelette von Pferden und Kamelen.

Wir kommen in eine immer gewaltigere Bergwelt. Endlich haben wir die Paßhöhe erreicht, von der aus wir ziemlich steil in ein geschütztes Tal absteigen, in dem wir wieder ein Feuer anzünden, uns wärmen und warten, bis Gul Mohammed mit den Packtieren kommt. Der soeben überschrittene Paß bildet die Wasserscheide zwischen Heri-rud und Hilmend, der in den abflußlosen Hamunsee in Sistan mündet.

21. Eingeschneit im Karawanserai Pänjao

Dann nehmen wir den zweiten großen Paß, den Kutel-i-Akserat in Angriff. Schritt für Schritt arbeiten wir uns empor. Die Bergwelt, die uns umgibt, ist großartig. Nach jeder Richtung hin türmen sich Schneeberge auf. Vom Passe aus, der eine Höhe von ca. 3300 Meter hat, genießen wir einen umfassenden Ausblick auf Afghanistans Hochgebirgswelt. Ein Meer hoher Gipfel dehnt sich ringsumher aus. Ich habe viel zu tun, alle diese Gipfel einzupeilen und zu photographieren. Das Gestein ist wieder dunkelroter Sandstein. Wir müssen noch eine dritte Anhöhe erklimmen, ehe wir in das Tal von Akserat absteigen können. Ein nicht endenwollender Marsch folgt, ehe wir das Robat erreichen.

22. Der Kuh-i-Baba

Gegen sechs Uhr abends beginnt es in großen Flocken zu schneien, und als wir uns am anderen Morgen erheben, umgibt uns eine vollständige Winterlandschaft. Meine Begleiter haben keine große Meinung, bei dem Wetter aufzubrechen; aber da der Schnee nur in feinen Flocken fällt und die Wolken sich zerteilen, sehe ich keinen Grund, weshalb wir nicht weiterziehen sollen. Langsam beladen Juma und Gul Mohammed die Pferde, und gegen acht Uhr verlassen wir Akserat. Es ist kalt, und der Schnee knirscht unter den Hufen der Tiere. Berge und Täler sind unter einer weißen Decke begraben.