Da hieß es eines Tages, Weiß sei wieder zurück, und ein paar Tage später erschien er auch bei uns und erzählte seine Geschichte.

Er war nach Gärdes geflogen, fand auch leicht den Platz, der für die Landung bestimmt war, und landete. Er ließ den Apparat auslaufen; da sah er aber, daß der Platz zu klein war. Ein breiter Graben tat sich vor ihm auf. Es gelang ihm zwar, diesen zu überfliegen; aber kaum war er wieder auf dem Boden, als direkt vor ihm ein anderer schmaler Graben sich hinzog, so daß die Maschine im Graben landete und der Propeller zerbrach. Von der eingeschlossenen Besatzung wurde er liebenswürdig aufgenommen. Nachdem er einige Tage dort geblieben, verkleidete er sich als Mangal, und es gelang ihm auch, mit einigen afghanischen regierungstreuen Offizieren sich durch das unsichere Gebiet durchzuschlagen.

63. Tadsch-Mahal, Agra

Im Laufe des Augusts hatte sich schon das Gerücht verbreitet, daß auch die Russen Flugzeuge schicken wollten. Und richtig, an einem herrlichen Septembermorgen gegen elf Uhr erschienen in großer Höhe fünf Flugzeuge, die wie Silberpünktchen am blauen Himmel schwebten. In ca. fünfstündigem Flug hatten diese die Strecke von der russischen Grenze bis nach Kabul zurückgelegt und dabei den 5000 Meter hohen Hindukusch überflogen; zweifellos eine großartige Leistung. Zuerst hieß es, Rußland habe die Flugzeuge dem Emir geschenkt; dann aber, daß die Afghanen wegen Kaufs der Apparate mit den Russen verhandelten. Nachmittags wurde großes Schaufliegen veranstaltet, bei dem Tausende von in persischer Schrift und Sprache abgefaßte Propagandazettelchen über Kabul abgeworfen wurden. Daß dies ganze Manöver mit den Flugzeugen nur darauf abzielte, sich die Freundschaft der Afghanen zu erobern und England zu ärgern, ist wohl ohne weiteres klar. Zuletzt hieß es dann auch, Rußland wolle die Flugzeuge nur dann abgeben, wenn auch die russischen Flieger mit übernommen würden. Wie diese Angelegenheit dann geregelt wurde, weiß ich nicht, da ich Anfang Oktober Afghanistan verließ.

64. Peshawar, Basar

Immer mehr Truppen wurden in Kabul zusammengezogen, und vor der Stadt war ein kleines Heerlager errichtet worden. Eines Morgens kamen ca. 4000 Mann aus Kohistan; viele zu Pferde. Jeder Stamm trug seine Fahnen, die schon manchen Sturm mitgemacht haben mußten, denn sie sahen alt und zerfetzt aus. Die Leute waren meist nur in Lumpengewänder gehüllt und bekamen in Kabul neue Anzüge. Auf dem Wege von ihren Heimatorten nach der Hauptstadt hatten sie natürlich alle Dörfer gebrandschatzt, und wir waren der Ansicht, daß diese wilden Stämme unter Umständen viel gefährlicher werden könnten als die Mangals selbst. Froh waren wir immer, wenn diese Burschen an die Front expediert wurden.

65. Im Zoologischen Garten, Peshawar