In der Mitte, direkt unter der hohen Kuppel, steht ein einfacher Marmorsarg. Er bezeichnet die Stelle, wo unter den Gewölben des Unterbaues der Sarkophag Humajuns steht.
Nicht weit entfernt von diesem Bau ist das Grabmal Nizum-ud-Dins, eines mohammedanischen Heiligen. Man sieht nur einfache, braungelbe Mauern aufragen; einige hohe Bäume, ein paar Bettler, die hier herumlungern, das ist alles, was man zuerst erblickt. Man muß wieder große Filzschuhe anziehen, wird dann eine Treppe auf einen Plafond hinaufgeleitet, und hier strahlt einem der weiße Marmor entgegen, daß man die Augen schließt. Eine feingeschwungene, weiße Kuppel erhebt sich im Innern, und ein Säulengang von weißem Marmor faßt sie ein. In der einen Ecke des Hofes sind drei Fürstengräber. Am Kopfende des einen steht eine Marmortafel, auf der in persischen Lettern zu lesen ist:
Laßt nichts als Gras mein Grab decken,
Gras ist die beste Decke für die arme
vergängliche Jehanara, die Schülerin
der heiligen Familie Chist, die Tochter
des Kaisers Schah Jehan.
Sie war die Lieblingstochter des Großmoguls und hat ihn bis zu seinem Tode gepflegt. – Wundervoll zart sind die Marmorschnitzereien, die die schweren Türen zieren. Mit welch unendlicher Geduld und Liebe müssen die Künstler sich dieser Arbeit hingegeben haben!
Wir gehen wieder vorbei an dem kleinen Teich, der in die Marmorplatten eingesenkt ist, steigen die steilen Stufen hinab und fahren weiter durch die glühende Chaussee nach Lalkot. Es ist sehr heiß, und wir atmen auf, als wir in dem von hohen Bäumen beschatteten Garten, der den berühmten Kutub-Minar einschließt, ankommen. Die Arbeiter, die hier die Anlagen in Ordnung halten, haben sich in den Schatten der Bäume gelegt und schlafen. Auch die Tiere scheinen in der Hitze ihren Mittagsschlaf zu halten. Die Zebus stehen unbeweglich, und die fetten schwarzen Wasserbüffel liegen in den kleinen Tümpeln am Straßenrande und träumen vor sich hin. Lange kriechen wir in den Ruinen umher, unter denen besonders die reichgeschnitzten Sandsteinpfeiler eines ehemaligen Hindutempels auffallen, der später in eine Moschee umgewandelt wurde. Im Hofe steht die berühmte eiserne Säule, die wahrscheinlich aus dem vierten Jahrhundert nach Christus stammt. Mein Boy führt mich von Ruine zu Ruine. Die Hitze ist unerträglich; kein Windzug regt sich, totenstill ist es ringsumher; nur eine Libelle summt leise an uns vorüber. Der 70 Meter hohe Kutub – Minarett und Siegesturm zugleich –, aus rotem Sandstein und weißem Marmor, steht wie ein Wächter inmitten der Ruinenfelder.
In dem kleinen Bungalow, das inmitten des Gartens errichtet ist, nehme ich mein Mittagessen ein. Die Ruhe und der Frieden ringsumher stimmen einen feierlich und glücklich. Stundenlang könnte man hier auf der Gartenterrasse sitzen und träumen.