Da sagte ich es ihr. »Du, Mutter,« fing ich an, »ich glaube, ich möchte Adolf doch heiraten.«

Sie sah mich an, ein liebes, köstliches Lächeln ging über ihr Gesicht, und indem sie mich auf Mund und Stirne küßte, sagte sie leise: »Ich habe es gewußt, Agnesle!«

Und in dem Augenblick war ich nimmer ihr Kind, es war, als sei ich ihre Schwester geworden und reif und weise, das Leben zu tragen wie sie.


Ein paar Tage vor Weihnachten fuhr ich von zu Hause fort. Auf der ganzen Reise fürchtete ich mich vor Adolfs Spott und Triumph und wäre froh gewesen, wenn ich den Empfang schon hinter mir gehabt hätte. Nur um eines freute ich mich, nämlich, daß er nichts von meinem verkrachten Roman wußte. Sonst hätte ich mich auch wahrlich kaum zu ihm getraut.

Es war kalt und regnerisch und später Abend, als ich hinkam. Unten im Laden war alles schon dunkel; da die Tür zum Hinterstüblein unverschlossen war, ging ich einen Augenblick hinein und drehte das Licht an. Ach es sah fürchterlich aus; mit wehmütiger Heiterkeit machte ich mir einen Begriff davon, wie es wohl oben sein möge. Unversehens streiften meine Blicke Breisels Gesälzhafen; lächelnd schaute ich hinein und sah am Boden eine winzige, betrübte, schimmelige Kruste. Armer Kerl; – es sollte wieder anders werden.

Mit klopfendem Herzen stieg ich hinauf und fand Adolf in der Küche, wo er eine höchst seltsame Hantierung betrieb. Es schien, als sei gar keine Magd oder Haushälterin da. Erst konnte ich nicht erkennen, was er eigentlich da mache; da sah ich, daß er schmutzige Windeln und Kinderwäsche waschen wollte, indem er nämlich jedes einzelne Stück mit einem Reißnagel an den Rand des Schüsselbrettes über den Ablauf festspießte, dann einen Schlauch am Wasserhahnen befestigte und nun höchst genial drauf los flößte, auf und ab und an allen Stücklein herum.

Und wie ich nun so stand, glühend vor Erregung, wie ich das Lachen verbiß, während mir doch vor Scham und Rührung und Zaghaftigkeit ein paar Tränlein herunterliefen, da drehte sich Adolf um und erkannte mich. Ueber sein Gesicht kam eine ungeheure Fröhlichkeit, ehrlich und kindhaft und ohne Spott, und er strahlte mich voller Liebe an.

»Schau, das Ageli. – Fein!«

Dann kam er auf mich zu, hielt seine nassen Hände ausgebreitet und weit von sich ab; er beugte sich zu meinem Gesicht und küßte mich auf den Mund.