Was du weißt, dös ka'scht au so sa!«
sprach Urschel feierlich.
Als sie dran kam, lag ein wunderliches, geschnäbeltes Gebilde im Wasser. »Ein Storch!« schrie sie erschrocken; denn sie war furchtbar abergläubisch. Ganz vernagelt sah sie auf meinen Fenstersims; als die Glocken durch die klare Winternacht läuteten, bekam sie wieder Mut. – »Ach was, es hat nicht gegolten!«
Und sie goß noch einmal. Als es dann so etwas wie ein Herz war, war sie zufrieden.
Die Nächte vor Fastnacht tanzte sie durch. Sie war auf jedem Maskenball, in einem Spanierkostüm, das ihr zu den schwarzen Haaren prächtig stand. Morgens um fünf Uhr kam sie heim, schlich leise wie ein Vogel die Treppen herauf, küßte mich lachend wach und warf mir Konfetti übers Bett. Sie war sehr, sehr hübsch in diesen Augenblicken, wenn sie mit dem Treppenlämpchen auf mich herableuchtend, in dem fremdartigen Kostüm vor mir stand, strahlend vor Lust und Leichtsinn.
Auf einmal, im März, als der Schnee taute, hatte sie einen Schatz. Er war ein Schulmeister und sie hatte ihn an der Fastnacht kennen gelernt. Ich bekam ihn lang nicht zu Gesicht; endlich an einem Sonntag im Mai ging ich mit den beiden spazieren. – Er hatte lange strohblonde Haare und ein hübsches, freches Gesicht, das mir nicht recht gefiel. Besonders in seinen Augen lag ein Ausdruck, den ich mit dem besten Willen nicht von dem Funkeln unseres Katers unterscheiden konnte, wenn er in Frühjahrsnächten zu seiner Kätzin ging.
Ich sagte es ihr, aber sie entgegnete nichts. Ein paar Tage drauf, an einem ungewöhnlich heißen Maimorgen gingen wir zusammen zum Baden an den Fluß.
Urschel war seltsam verstimmt. »Was hast du?« fragte ich.
»Ich sag dir's auf dem Wasser,« sagte sie verbissen.
Als wir miteinander mitten im Fluß schwammen, stupste ich sie. »Jetzt sag's!«