Da fuhr sie auf mich los wie eine wilde Katze, tunkte mich und riß mich wieder herauf. »Du Luder, du scheinheiligs, was geht dich mein Schatz an? Hab ich dich drum gefragt? Braucht er denn dir zu gefallen, du Krott, du elende! Wart, dich will ich dein böses Maul halten lernen!« Und sie schüttelte mich wie toll, riß mich unters Wasser und saß mir im Genick, daß mir Hören und Sehen verging.
»Willst du noch einmal etwas gegen den Schulmeister sagen?«
»Nein,« – sagte ich schwach und schwamm, als sie mich losließ, schnell ans Ufer und ging schwer empört und beleidigt heim.
Ich schaute sie ein paar Tage nicht an; aber sie fehlte mir unbeschreiblich und ich beschloß, meine zweite Freundin nicht wieder wie die erste um einer Liebschaft willen zu verlieren. Auch gefiel es mir, daß sie ihren Schatz so streitbar verteidigt hatte, und es dünkte mich, wohl so das Rechte zu sein, wenn man eine Liebschaft habe.
Dann versöhnten wir uns wieder. Urschel war herzlich und lieb, und ich mußte ihr versprechen, am nächsten Sonntag mit ihr und dem Lehrer spazieren zu gehen.
Nie war sie toller und ausgelassener als an jenem Nachmittag. Wir gingen einen schönen Weg durch Wiesen und heiteres Land, und Urschels hellblaues Kleid leuchtete festlich zwischen dem jungen Grün. Sie lachte und schwätzte in einem fort, hatte den einen Arm um den Blonden und den andern um mich gelegt und erzählte Geschichten, daß uns die Tränen kamen vor Lachen.
In einem Wirtsgarten aßen wir zu Abend, tranken roten Wein dazu, und als Urschel vom Haus her Tanzmusik hörte, tat sie einen Schrei vor Entzücken und riß uns lachend und glühend mit hinein.
Spät in der Nacht kamen wir heim; unten vor dem Hause hatten die beiden Verliebten noch ein Geflüster und Heimlichtun miteinander, das kein Ende nehmen wollte. Schließlich schloß ich das Haus auf und machte mich daran, allein hinaufzugehen. »Ich komme gleich nach!« rief Urschel, und der Blonde grüßte.
Dann lag ich ärgerlich in meinem Bett und horchte in die Dunkelheit hinein, bis ihr leichter Schritt die Treppe heraufkäme. Und dann plötzlich war draußen ein Geräusch und kurz darauf in Urschels Kammer ein leises Lachen. Ich sprang auf, lief vor ihre Tür und rüttelte an der Klinke.
»Urschel!«