Weißt du's nicht?«
Ich schüttelte verwundert den Kopf und meinte, ich könne ja in irgend einem Buch nachschlagen.
»Nein, laß nur,« sagte sie. »Es wird wohl stimmen mit dem Versäufen!« Darauf seufzte sie leise und schwieg.
Später, als es dunkel war, gingen wir noch zusammen an den Fluß hinunter. Es war eine wundersame stille Nacht, Brücke und Wasser lagen schimmernd im feierlichen Lichte des Mondes, über uns aus dem tiefblauen Grunde brachen die Sterne so groß und deutlich leuchtend, daß Himmel und Erde einander nahe gekommen schienen in schweigender Schönheit.
Wir saßen auf der Brücke, ergriffen von dieser Nacht, deren mächtige, stumme Sprache in uns weiterredete, lauter und unbezwinglicher als in all der Zeit, seit wir uns kannten. Ich legte mein Gesicht in ihren Schoß, große, warme Tränen fielen aus den lieben Augen darauf nieder; sie trocknete mir's mit ihrer Schürze und liebkoste mich stumm und innig.
Als wir dann aufstanden und weitergingen, sagte sie leise: »Du bist ein guter Kerl, Agnes. Aber ich glaube, du hast zu wenig dumme Streiche in deinem Leben gemacht. Das ist nicht gut.«
Dann lachte sie. »Ich habe die meinigen gemacht und sie haben mich genug gedrückt. Aber jetzt sind sie alle so leicht geworden, und wenn ich in den Himmel komme, fliegen sie lustig und gemütlich wie Pfeifenwölkchen um meine arme Seele herum, daß der liebe Gott lachen muß und das Schimpfen vergißt.«
Wir machten ein Boot los und fuhren noch bis Mitternacht auf dem glänzenden Wasser, dann ruderte sie mich ans Ufer und bat mich, heimzugehen, sie wolle später nachkommen.
Und als ich ans Land steigen wollte, da riß sie mich noch einmal ins Schifflein zurück, preßte meinen Kopf an ihr Herz und küßte mich heiß und zitternd wie in Angst und Leidenschaft.
»Sei doch nicht so wild und so wunderlich, – du. Du machst mir ja Angst,« sagte ich. »Komm, wir wollen uns die schöne Nacht nicht verderben!«