»Ja, – ich bin gleich ruhig. Aber,« und dann fing sie auf einmal an, leise zu lachen, »wenn ich nun zum Beispiel heute Nacht ins Wasser spränge, – gelt, dann käme das Amtsgericht um die fünfundzwanzig Mark Strafe, die ich noch schuldig bin? Ach, das täte mich noch in der Ewigkeit freuen!«

Sie wurde aber gleich darauf wieder ernst und still und in ihren Augen waren Tränen.

Dann half sie mir ans Land steigen, bot mir zum Abschied noch beide Hände herauf und sagte leise: »Gute Nacht, Agnes. Wenn du einmal nach Spanien kommst, sag einen Gruß von mir!« Darauf stieß sie ab und blickte nimmer zurück.

Ich schritt langsam heim und war sonderbar ergriffen. Aber nicht traurig wie in jener andern Nacht, da Urschel den Blonden mit zu sich heraufgenommen hatte, sondern glücklich und von einer tiefen, dankbaren Freude erfüllt, darüber, daß ich einen solch schönen, köstlichen Menschen zum Freunde hatte wie meine Urschel. Noch vor dem Einschlafen fuhr ich über meine Wange, wo ihre Tränen und Küsse hingefallen waren und nannte zärtlich ihren Namen.

»Liebe, liebe Urschel!« – – –

Am nächsten Morgen war Urschel verschwunden. Man fand ihre Schürze und nassen Kleider am Fluß; die Leute sagten, sie sei ins Wasser gegangen, weil sie von dem Schulmeister ins Unglück gebracht und verlassen worden sei, und Männer mit Stangen suchten am Flusse nach ihr. Ach, ich glaubte es nun auch, ich meinte, es noch gewisser zu wissen, als die andern!

Es war alles so namenlos traurig und schwer und entsetzlich.

Die Männer fanden sie nicht; der Leichnam war wohl vom Flusse mit fortgerissen worden.

– Nach acht Tagen bekam ich einen Brief.

»Liebe Agnes, ich bin in Hamburg. Damals in der Nacht habe ich mich im Fluß ertränken wollen; ich bin aber nicht untergegangen, weil ich so gut schwimmen konnte; es war zum Lachen. Jetzt ist es mir auch so recht. Ich will nach Amerika. Wenn ich drüben bin, schreib ich Dir wieder, und wenn es schön ist, mußt Du auch kommen; dann freue ich mich.