Strahlend vor Freude kam ich mit meinen Schätzen in die Kammer und zündete zitternd mein Licht an, was von unten mit einem leisen Pfiff quittiert wurde. Glücklich schnitt ich die Brote, strich und belegte sie und wickelte sie mit ein paar Äpfeln, die ich noch oben hatte, sauber in einen »Oberländer Boten«. Dann löschte ich das Licht und ließ mein Paket an einer Schnur zum Fenster hinab, wo Der unten es in Empfang nahm. Wenn er nun musikalisch gewesen wäre, hätte er vielleicht irgend etwas leise gepfiffen oder gesungen; so aber – und es war der Sicherheit halber fast besser für uns, begann er, indem er vom Hause weglief, mit seinem weißen Sacktuch stumm und wütend und herzbewegend zu mir herauf zu wedeln, rund herum, schräg und auf und nieder. Der Hofhund schlug an, war aber alsobald wieder still, da er ihn kannte, und durch die dunkle und von einem leisen Sturm bewegte Nacht sah ich ferner und ferner das gespenstische Liebessignal zu mir heraufleuchten.


Gottfried schrieb mir oft; mir wurde Kammer und Haus zu enge, wenn ich seine Briefe las. Ich lief voll strömenden Jubels in Schnee und Sturm und Regen hinaus und schrie es leise in die tosenden Wetter und zu den einsamen, stöhnenden und windverwühlten Bäumen im Wald hinauf, wie lieb ich diesen Menschen hätte! Und ich barg den Brief an meinem Herzen, bis der nächste kam.

Auf Weihnachten wollte er kommen. Ich freute mich drauf wie ein Kind, tat alle Arbeit verkehrt und lief zitternd immer wieder auf die Landstraße hinaus, zu sehen, ob der alte Postwagen noch nicht käme. Und einmal kam durch den Schnee ein einsamer Mensch angestapft; ich lief auf ihn zu, und er war es, wir schrien auf und lagen einander in den Armen.

Es war in diesen Weihnachtstagen bitter, bitter kalt; wohl brannten in Küche und Fremdenstuben und Frau Finkenlohrs großem Wohngelaß mächtige Feuer, doch saßen wir beide in einer abgelegenen Kammer, wo der Sturm eisig durch Tür- und Fensterfugen fuhr. Wir bauten uns klappernd vor Frost in ein Nest von alten Strohsäcken, Pferdedecken, Bettstücken und wollenen Tüchern ein, hatten Handschuhe an und Pelzstiefel, und Gottfried brachte strahlend eines Abends noch einen wattierten Schlafrock des seligen Großvaters Finkenlohr für mich.

In jenen Stunden lasen wir zusammen Gottfrieds Lieblingsdichter, Hölderlin; – seine Gedichte, den Hyperion und aus dem Empedokles, und es geschah, daß Gottfried mit einemmal aufsprang und sich zornig aus dem warmen Wall losschüttelte, die Handschuhe voller Verachtung an die Wand warf und laut mit ausbrechender Begeisterung des herrlichen Dichters Worte mir vortrug.

Jeder Tag dieser Weihnachtsferien war, wiewohl es ein böses, trübes, stürmisches Wetter war, voll innerlichen Glanzes und voller Schönheit, so daß wir am Ende ohne Traurigkeit, fast gesättigt von Glück, voneinander schieden.


Nun muß ich aber, ehe ich weiter gehe, noch etwas von jenem Winter schreiben, – und von einer Liebe sagen, die mir damals aufging und gleich der zu Gottfried helle und leuchtend in mein Leben schien.

Bei jenem einen Verslein, das mir damals, an jenem Morgen eingefallen war, war es nicht geblieben; je und je, in einer Sturmnacht oder wenn ein Brief von Gottfried gekommen war und ich bewegt in die einsamen, verschneiten Felder hinaus lief, kam es, daß es mich plötzlich gleich einer feinen, aufreizenden Lust ergriff, stehen zu bleiben, Worte, Gedanken, Reime in mir auf und nieder steigen zu lassen und eigentlich ohne mein Zutun dann auf einmal einen Vers fertig zu haben.