Diese Abende nun hatte ich für Gottfried bestimmt; jeden Dienstag zur verabredeten Zeit wartete er vor meinem Haus auf mich, und ich ging mit ihm auf seine Stube.
Dann saßen wir beieinander, immer hatte er die Hefte weggeräumt und einen Strauß auf dem Tische stehen, der Hölderlin lag dabei, und vom Gottlosen Zinken war ein Korb voll rot und gelber Aepfel da. Ich saß auf dem alten, geschweiften Sofa in der Ecke, und Gottfried hatte seinen Kopf auf meinem Schoße liegen.
Ich glaube, daß kaum ein Mensch eines solch unsäglichen Glückes teilhaftig ward, wie ich es in jenen Stunden genossen habe, mein Leben stand in seinem höchsten Glanz, wurde erfüllt und gesättigt. Und was etwa noch darnach kommen mochte an Not und Schmerzen, mußte ich willig annehmen und tragen, denn was irgend an Herrlichkeit und göttlichem Glanze einem Menschen gegeben wurde, das hatte ich nun empfangen und ausgetrunken bis zum Grunde.
Es war Anfang Februar und bitter kalt, als Gottfried an einem Dienstag abend zur gewohnten Stunde nicht vor meinem Hause zu sehen war. Ich lief ungeduldig auf und ab und spähte nach ihm aus, wartete noch eine Weile und ging dann schließlich allein durch die schon beinahe dunkeln Gassen zu dem Haus, in dem er wohnte und die wohlbekannte Stiege hinauf.
Droben klopfte ich, und im nächsten Augenblick hing er an meinem Halse.
»O du, ich freue mich unsäglich, daß du da bist. Eben wollte ich Angst bekommen, du kämst am Ende nicht. – Weißt du, ich habe einen Husten, und es war mir schon den ganzen Nachmittag nicht so recht gut, – so ein blödsinniges Stechen den Rücken herauf und da, an der Seite. Aber nun bist du ja da! Gelt, du mußt verzeihen, daß ich dich nicht abgeholt habe –.«
Er küßte mich und nahm mir Mantel und Pelzmütze ab. Dann aber zog ich ihn auf's Sofa und nahm ihn strenge ins Gebet.
Seit wann er die Schmerzen habe? Was er dagegen tue? Warum er nicht im Bett liege und keinen Arzt habe holen lassen?
»Ich wußte ja, daß du kämst,« sagte er ruhig und sah mich mit glänzenden Augen an.