Sie war schwarz verbrannt, beinahe wie ein Mohr, und aus einer Ecke tönte Genovevs leises Gewieher wie Hohngelächter von sieben Teufeln.
Ich schabte und putzte ja nun, so gut es gehen wollte und trug es mit Würde und Ergebenheit, wie nachher der Hausherr, als er mich mit der verhunzten Pracht zur Tür hereinkommen sah, ohne Ahnung der Moritat zu seinem Gegenüber sagte: »Passen Sie auf, Doktor, nun kommt das Glanzstück dieses Abends; Pasteten sind nämlich die Spezialität unserer jungen Stütze; Sie essen's nirgends besser – – –« In meinem Innern aber wußte ich, daß ich heute noch Genovev unter meinen Fäusten haben und ihr den Buckel verhauen mußte, oder es war mir keine Minute mehr wohl und erträglich in meiner Haut. Das mit der Pastete hatte dem Faß den Boden ausgeschlagen.
Der Abend verlief vollends schön und ohne weiteren Zwischenfall. Gleich einem gewiegten Uebeltäter und Totschläger ließ ich mein Opfer mit keinem Blicke ahnen, was ich Finsteres im Sinne hatte, war wohl gleichgültig gegen Genovev, doch im übrigen durchaus nicht anders als sonst. Gegen halb elf Uhr gingen die Gäste, wir räumten noch schnell die Tafel ab, dann sagte ich laut Gutenacht und ging hörbar in mein Zimmer.
Eine Weile später schlich ich mich lautlos in den Hof hinunter; es war sehr dunkel und stille. Einmal glaubte ich zwar, von Fouqués Gärtlein, das dicht daneben war, ein Geräusch zu vernehmen, doch war es alsbald wieder ruhig. Richtig tappte nach einer Viertelstunde fast so leise wie ich Genovev die Treppe herunter; die Kellertür knarrte ein wenig, dann stellte ich mich davor und lauerte. Ach, es klappte großartig! Sie kam, ich packte sie am Kragen, drohte bei dem geringsten Laut, den sie von sich gebe, daß ich morgen alles Gesoffene und Gestohlene haarklein dem Professor erzähle und schleppte sie in den Hof, wo ich es ihr so gründlich besorgte, daß es mich trotz allem heute noch freut.
Lautlos wankte sie davon, ich hörte noch, wie sie sich droben in ihrer Stube einschloß, dann setzte ich mich müd und zitternd vor Aufregung auf den Kellersims im Hof. Ach, es war mir kein bißchen sieghaft oder triumphierend zumut; meine abgründige Wut war jäh verraucht, es blieb nur eine Schlaffheit und weinerliche Abgespanntheit und alles Bedrückende und Traurige von vorher fiel doppelt schwer über mich herein. Wenn ich an meine Freunde Roth dachte und an das gute und rechte Leben, das ich führen wollte, wurde ich noch in der Dunkelheit rot vor Scham; – und mit meiner Schreiberei war es auch nichts, sonst hätte ich doch schon irgend eine Antwort bekommen müssen. Es war mir zum Heulen elend und jämmerlich zumut.
»Das hast du fein gemacht, Ageli!« sagte plötzlich eine Stimme nahe mir, laut und lachend.
Ich sprang auf, wahnsinnig erschrocken, und starrte in die Dunkelheit. »Um Gotteswillen, wer ist da – –?«
»Dein Schwager, liebes Kind,« sprach die Stimme mit spottend sanftem Ton, und ich erkannte nun wahrhaftig im Dunkeln Fouqués dicke Gestalt am Zaun lehnend. »Komm an mein Herz, Kind, und laß dir gratulieren. Sieh, es sind hier liebenswürdigerweise zwei Zaunlatten weg; komm noch eine Weile herüber, es würde mich außerordentlich freuen.«
»Wenn du es niemand sagst – –,« sprach ich, immer noch zitternd vor Schreck.
»Ganz, wie du es wünschest,« sagte er liebenswürdig; erhob jedoch zu meinem namenlosen Entsetzen gleich darauf seine Stimme zu einer Stärke, daß es in der stillen Nacht gewaltig laut und hallend tat: »Ich werde es niemand, niemand, niemand sagen, daß ich hocherfreuter Zeuge dessen war, wie in stiller Stunde –«