Nicht in Sachsen, sondern auch über die angrenzenden Länder ergoß sich nun dieser Räuberstrom mit seinen verheerenden Fluthen.

Das Jammergeschrei der Unglücklichen aus höhern Ständen, wie unter dem Landvolke, die nicht nur beraubt, sondern oft auf den Tod mißhandelt wurden, die Klagen der Priester über die Plünderungen ihrer Kirchen ertönten von allen Seiten. Es wurde Militär ausgesandt, die Edelleute und Beamten setzten sich an die Spitze der Jäger und Bauern; das Land wimmelte von Streifen, aber auch die allerthätigsten Bemühungen führten nur höchst unbedeutende Resultate herbei, da an der Schlauheit, der Vorsicht, dem Muthe und den raschen Bewegungen der Räuber die regsten Anstrengungen der Obrigkeiten und ihrer Beistände scheiterten.

Noch waren nicht zwei Jahre seit Lips Tullians Entweichung aus der Kasematte von Dresden verflossen, als die Bande schon 43 Kirchen, 28 Edelhöfe, 62 Mühlen und Bauerhäuser, selbst 5 landesherrliche Schlösser ausgeplündert, 87 Pferde gestohlen, eine unzählige Menge von Reisenden beraubt, 4 Weiler in Asche gelegt, und mehrere Menschen mit unmenschlicher Grausamkeit gemordet hatten.

Das Entsetzen, welches diese Rotte von Bösewichtern weit und breit durch das ganze schöne Sachsenland verbreitete, hatte den höchsten Grad erreicht, Niemand konnte sich mehr in seinem Hause für sicher halten, selbst nicht hinter den wohlverwahrtesten Schlössern, denn der schwarzen Bande widerstand kein Schloß, kein Riegel, kein festes Gebäude.

XXXIII.
Jockel’s Tod.

Feigherzige Vorsicht, fahre hin! Auf nichts

Als blutige Vergeltung will ich denken.

Schiller.

Lips Tullians Greuelthaten wurden durch eine Handlung gekrönt, vor deren Gräßlichkeit auch der Gefühlloseste zurückschaudert.