Mehr als viermal überlegen waren Lips Tullians Feinde, aber sein und der Seinigen Muth hielt der Uebermacht die Wage. Säbel, Knittel und Messer vermochten nicht, die Angreifenden zum Siege zu führen; das Feuergewehr that es.
Der Welsche schoß mit seiner Doppelpistole Sarberg und Eckold nieder, ein anderer Schuß machte Lehmann sinken.
Mit erneuerter Wuth drang nun der Haufe auf die kleine Schaar los; Lips Tullian sollte nicht getödtet, sondern unverletzt gefangen werden, um Jockels furchtbares Loos zu theilen. Jetzt sanken Schöneck und Schickel, jetzt stürzte Mariane, von einem furchtbaren Hiebe getroffen, mit gespaltenem Kopfe zur Erde. —
„Ergib Dich!“ — brüllte ein Räuber und stürzte mit vorgehaltenem Stuhle auf Lips Tullian los. Er faßte den Stuhl mit riesiger Kraft, stieß den Räuber zu Boden, schlug furchtbar um sich, erreichte ein offenes Fenster und sprang durch dasselbe auf den Hof. Er floh querfeld dem Walde zu.
Die Räuber folgten ihm im schnellsten Laufe. Er hatte einen Vorsprung von kaum hundert Schritten; er erreichte den Wald und war gerettet.
Ohne Hut, mit nichts an Kleidern und Wäsche versehen, als was er am Leibe trug, und einige Thaler in der Tasche und blos mit seinem Säbel bewaffnet, dabei aus mehreren Wunden blutend, die ihm in der Hitze des Kampfes geschlagen worden, ungeachtet die Räuber seinen ganz unverletzten Körper ihrer allergrausamsten Rache opfern wollten, eilte Lips Tullian im Walde fort, vermied Fahrwege und Fußpfade und hielt nur auf Augenblicke in Dickichten an, um Athem zu schöpfen und zu lauschen, ob ihm noch Verfolgung drohe.
So war er einige Stunden mit großer Anstrengung dahin geeilt, als ihn seine Kräfte verließen und er an einer zufällig gefundenen Quelle niedersank, die ihm zur Reinigung seiner Wunden, zur Stillung des brennenden Durstes sehr wohlthätig wurde. Die Ermattung machte ihn bald einschlafen.
[35] Siehe die [Abbildung].