Laßt uns nicht stille stehen, denn geschäftig sind
Die Feinde rings, den Weg uns zu verschließen.
Schiller.
Sein Erwachen war nicht das angenehmste. Mariane, Sarberg, Eckold, Schöneck und Schickel hatte er unter den Schüssen und Hieben seiner Feinde niedersinken gesehen. Mit Recht mußte er befürchten, daß auch Lehmann, Hentzschel und seine übrigen Vertrauten die blutigen Opfer ihrer wüthenden Feinde geworden.
Auf eine Verbindung mit der Bande durfte er nicht mehr hoffen, nur zu gut kennend den Haß des Welschen und den Einfluß, welchen dieser tückische, gewandte Wohlredner auf die Bande hatte; ja Lips Tullian war überzeugt, selbst von seinen frühern Kameraden, denen er einst das Höchste ihrer Liebe, ihrer Treue, ihres Vertrauens gewesen, dem nächsten Gerichte verrathen oder überliefert zu werden, sobald er wieder zu ihnen zurückkehre.
Nach langer, ernster Selbstberathung bestimmte er sich dahin, seine noch übrigen, in der Felsenschlucht vergrabenen Kostbarkeiten zu sich zu nehmen, nach Wien zu gehen, und dort theils von den Mitteln, die ihm der Verkauf dieser Kleinodien gewähre, theils vom falschen Spiele so lange zu leben, bis sich ihm eine Gelegenheit biete, eine kleine, tüchtige Rotte zu sammeln und an ihrer Spitze den Pfad seiner bisherigen Industrie wieder zu betreten.
Für den Augenblick war ihm eine Kopfbedeckung und ein anderer Anzug das Nöthigste.
Das Glück begünstigte den Bösewicht. Lips Tullian hatte sich kaum von der Quelle entfernt, als er auf einen Fußpfad kam und von ferne einen Handwerksburschen mit hoch aufgepacktem Reisebündel daher kommen sah.
Der Handwerksbursche verrieth durch seine große, kräftige Gestalt eine Körperstärke, mit welcher Lips Tullian, vom Blutverluste und dem langen, eiligen Marsche geschwächt, die seinige nicht messen zu können befürchtete.
Durch List mußte das Ziel erreicht werden. Er sah sich bisher von dem Reisenden noch nicht bemerkt. Schnell kauerte er sich unter einem Baume nieder, und begann zu stöhnen und zu wimmern.