Der Wirth selbst brachte es, auch die Rechnung, die gegen Philipps Erwartung höchst mäßig war, aber doch eine bedeutende Summe betrug, da mit der Gasthof-Rechnung auch die für Arzt und Apotheke verbunden war. Bedeutende Auslagen voraussehend, hatte Philipp einige Tage vor seiner Abreise mehrere der seltenen Goldmünzen bei einem Juden um Silber-Münze umgesetzt. Er bezahlte die Rechnung, beschenkte das servile Hauspersonal großmüthig, und hätte den Wirth gern erwürgt, denn der Spitzbube geberdete sich beim Abschiede so demüthig und kriechend und heuchelte solch einen Schmerz über die Abreise des verehrtesten, unvergeßlichen Gastes, daß Philipp den Ausbruch seiner Wuth gegen den heuchlerischen Bösewicht nur mit Mühe bezähmte.
Josephine war nicht zu sehen. Schmerzlich vermißte Philipp den Scheideblick der holden, heißgeliebten Jungfrau, und mit einer recht wehmüthigen Empfindung bestieg er die alte Kutsche, die jetzt mit ihm schwerfällig dahin rumpelte.
„Halt, Kutscher, wir müssen umkehren!“ — rief Philipp, als ein paar Meilen zurückgelegt waren.
„Halten — umkehren — warum?“
„Ich habe meine Brieftasche vergessen, worin sich mein Paß und andere höchst wichtige Papiere befinden, ohne welche ich die Reise nicht fortsetzen kann.“
„Ei, das ist fatal. Dadurch geht nicht allein sehr viele Zeit verloren, sondern auch die Pferde werden bei dem schlechten Wege und mit dieser schweren Karrete so abgetrieben, daß wir heute nicht die Hälfte der Station erreichen.“
„Weißt du bessern Rath?“
„Ja wohl, mein Herr. Wir haben noch eine kleine Strecke nach Montfort. Da bin ich bekannt, wie zu Hause. Im Augenblicke verschaffe ich Ihnen einen sichern schnellfüßigen Boten. Bis er zurückkehrt, haben die Pferde recht geruht, tüchtig gefressen, und wir können durch schnelleres Fahren die versäumte Zeit leicht ersetzen. Auch werden Sie mit einem Aufenthalte von einigen Stunden im Gasthause zu Montfort sehr zufrieden sein; man wird trefflich bewirthet, und ein Paar Mädchen sind da, so hübsch, so gutherzig — Sie sollen es mir nachher wieder sagen.“
„Ich habe nichts dagegen, wenn du mir für einen zuverlässigen Boten bürgst. Fahre zu!“