Du zitternde Erwartung naher Freude.

Th. Körner.

Wieder unter dem Namen Mengstein erhielt Philipp von dem Criminalrichter einen Paß nach Brüssel, auch ein bedeutendes Geschenk, als Entschädigung für die ihm in der Klause geraubte Kleidung und Börse, deren Inhalt er auch nicht unbedeutend angegeben hatte; er war so klug, dem Criminalrichter den in der erbrochenen Kiste des Siedlers gefundenen Beutel zu verheimlichen, der über 200 Dukaten enthielt.

In Brüssel angekommen, wollte er sich noch so lange nicht für irgend etwas bestimmen, bis Josephine eingetroffen, oder ihre Ankunft nicht mehr zu hoffen sei. Ruhig lebte er in dem kleinen Gasthofe, versah sich mit anständiger Kleidung und feiner Wäsche, und ging nur aus, um die Merkwürdigkeiten dieser prächtigen Stadt zu beschauen.

Auf der Reitbahn lernte der Gouverneur der Stadt, Graf Hiller, seine Kühnheit und seinen Muth bei Gelegenheit der Bändigung eines wilden Hengstes kennen, den niemand besteigen durfte, den aber Philipp zu seinem Willen zwang.

Der Gouverneur war entzückt hierüber und nachdem er nach Philipps Verhältnissen geforscht hatte, bot er ihm eine Stelle als Bereiter in seinen Diensten unter sehr günstigen Bedingungen an. Mit Freuden ergriff Philipp die dargebotene Gelegenheit und war mit seinem Loose ganz zufrieden, indem er durch treue Pflichterfüllung sich die Zufriedenheit seines Gebieters und die Liebe seiner Untergebenen zu erwerben wußte.

Lange Zeit war schon die Zeit dahin, in deren Laufe Philipp auf Josephinens Ankunft hoffen durfte. Mit der heißesten Sehnsucht verlangte er nach ihr. Nur das holde Bild dieser reizenden, sittigen Jungfrau umschwebte ihn. Er liebte sie mit der heißesten Liebe, er ehrte in ihr seinen guten Engel, der ihn vom Rande des zeitlichen und ewigen Verderbens mit milder Hand hinweggeführt, der ihm die heilige, beglückende Pforte des Guten geöffnet und alle Segnungen der Tugend und des Friedens in seine Brust gelegt hatte.

In sich versunken, das Herz voll Trauer und Wehmuth und Sehnsucht, lehnte er eines Abends am Eingange des Gouvernement-Palastes, und blickte mit süß-schmerzlicher Erinnerung einem vorübergehenden Mädchen nach, das einige Aehnlichkeit mit Josephinen hatte, als er seine Hand sanft ergriffen fühlte.

Er blickte auf, und neben ihm stand ein schlanker, hochgewachsener Knabe, mit sonnengebräuntem Gesichte, der ihn aus den schönen, blauen Augen recht freundlich anlächelte. Philipp beschaute den Knaben, der ihn gestört hatte in seinen Gedanken an Josephinen, mit zürnendem Blicke und fragte unwillig nach dessen Begehren.

„Kennst Du denn Deine Josephine nicht mehr?“ lächelte der Knabe ihm zu, und drückte sanft seine Hand.