Wochenlang streifte er nun in verschiedenen Verkleidungen umher, und spähete nur solchen Raubgelegenheiten nach, wo dem Räuber die größte Gefahr drohete; er wußte, daß Lips Tullian nur die gefährlichsten Unternehmungen liebe, daß er sich keiner versage. In der Gefahr den Verhaßten untergehen zu machen, war sein einziges Vorhaben; ja man flüsterte sich in der Bande zu: der schwarze Wenzel habe in einem heftigen Gefechte mit Jägern und Bauern zweimal nach Tullian geschossen.
Dieser durchschaute seinen Todfeind sehr wohl; er war rastlos, sich bei jeder Gelegenheit so auszuzeichnen, daß er mit Zuversicht erwarten durfte, die Bande werde seine Thaten würdigen und ihn zum Oberhaupte ernennen; Wenzels Entfernung aus der Gesellschaft sollte dann die feste Bedingung sein, unter welcher er die Anführung übernehme und als Oberhaupt sein Blut und Leben für die Bande weihe.
Das Treiben der Räuberbande hatte den höchsten Gipfel erreicht und es war voraus zu sehen, daß ihnen nun ihr Handwerk bald gelegt werden mußte, denn sie erdreisteten sich sogar, die Postwagen zu überfallen und auszuplündern und die von der Regierung denselben beigegebene Bedeckung niederzumachen.
Die Räuber mußten jetzt öfters Gefechte mit den gegen sie ausgeschickten Soldaten bestehen; einen andern Vortheil über sie vermochten die Soldaten jedoch nicht zu erringen, als den, daß sie ihnen einige Leute tödteten, deren Leichnam die Räuber gewöhnlich mit sich fortnahmen und in ihren unzugänglichen Schlupfwinkel trugen.
V.
Der Ueberfall von Trebnitz.
Sagt es selbst, wird Oerindur
Täglich kühner nicht und wilder?
Müllner.
Nach langer Entfernung kehrte Wenzel einst von der Kundschaft zurück und brachte Nachricht, daß der Zigeuner und der kleine Karl aufgegriffen und in das Gefängniß des Kriminalgerichtes von Trebnitz gebracht worden seien.