Lips Tullian kannte die beiden als zähe Bursche, denen einige Grade der Tortur keine Geständnisse zu erpressen vermögen. Aber er wußte auch, daß der Kriminalrichter von Trebnitz ein eben so feiner als unermüdeter Inquirent sei, und daß auch der hartnäckigste Leugner nie vor ihm in seiner Hartnäckigkeit bestanden habe.
Diese beiden mußten daher dem gefürchteten Untersuchungsrichter entrissen werden, das erklärte Tullian, und mit ihm die ganze Bande, als die erste und nothwendigste That.
Die Ausführung war, der Festigkeit des Gefängnisses, der zahlreichen Wächter und eines Militärcommandos wegen, das soeben zur Unterstützung der Behörde in Beitreibung landesherrlicher Gefälle zu Trebnitz lag, mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten und der höchsten Gefahr verbunden, und doch mußte alles versucht, alles gewagt werden, denn die Sicherheit, das Leben der ganzen Bande hing allein von der Freiheit ihrer Gefährten ab.
An der Spitze des größten Theils der Bande zog Lips Tullian nach Trebnitz. List und Gewalt blieben fruchtlos, sie brachen ihre raschen, kräftigen Schwingen an der Wachsamkeit, und an dem Muthe der Gerichtsdiener und Soldaten.
Die Bande mußte abziehen, wurde beim Abzuge von dem Militärcommando, von berittenen Jägern und Gerichtsdienern, von wohlbewaffneten Flurschützen und Bauernburschen plötzlich überfallen, trotz der muthigsten Gegenwehr theils getödtet, theils gefangen und der größte Theil zerstreut, Lips Tullian, der, mit der Tollkühnheit der Verzweiflung kämpfend, erst auf Flucht dachte, als für die Seinigen nichts mehr zu hoffen war, rettete sich auf dem Pferde eines Jägers, den er, unter den Bajonetten der Soldaten, unter den Säbelhieben der Berittenen vom Pferde stach.
Hierdurch bewogen, beschloß endlich die Regierung, diesen Räubereien auf einmal ein Ende zu machen und die ganze Bande in der Höhle aufzuheben.
Eine Compagnie Infanterie wurde zur Ausführung dieses Auftrags beordert. Im Schutze der Nacht und eines dichten Nebels gelangten die Soldaten bis an den Eingang der Höhle. Man konnte in das Innere der Höhle nur durch einen engen, finstern Gang gelangen, durch welchen die Soldaten auf dem Bauche kriechen und ihr Gewehr hinter sich her ziehen mußten.
Der Anführer forderte die Entschlossensten und Muthigsten auf, in die Höhle hineinzukriechen. Am Ende des Ganges, wo die Höhle sich erweiterte, sollte Jeder auf die Seite treten, um seinem Nachfolger Platz zu machen. 25 Mann von der Compagnie sollten vorderhand auf diese Weise in die Höhle eindringen, die Uebrigen blieben außen stehen, um, sobald sie schießen hörten, zu Hülfe eilen zu können.