Aber diese bedeutende Summe war schon in dem kurzen Zeitraume von drei Jahren durch unsinnigen Aufwand bis auf einige hundert Gulden durchgebracht. Spurlos verschwand der sächsische Pseudo-Edelmann nächtlicher Weile aus Regensburg, aber noch fortlebend im süßen Andenken geprellter Gläubiger und seiner Dienerschaft, die den Lohn eines Jahres bei der reichen Herrschaft stehen hatte.

Von nun an, wie die Untersuchungsacten angeben, wurden Eckold und Wilhelmine zu den verworfensten Bösewichten. Sie betrogen und stahlen, wo sich Gelegenheit fand, einige Zeit ohne Gehilfen, traten dann in eine Bande und trieben Straßen- und Kirchenraub, Brandstiftungen und Mord.

Es wurde im Jahre 1708 zu Leipzig in der grünen Planke auf der Petersstraße ein gewaltsamer Einbruch und sehr bedeutender Raub begangen. Die Polizei durchsuchte alle Gasthöfe, und alle verdächtigen Häuser. In einem derselben fand man Eckold mit Wilhelminen. Sie hatten keinen Paß, konnten sich über einen stabilen Aufenthalt, über den Besitz rechtlicher Erwerbsmittel nicht im Geringsten ausweisen, wurden als verdächtig arretirt und in sehr strenge, abgesonderte Haft gebracht, da man bei Beiden Dietriche und Feilen fand. Durch einen Mitgefangenen wurde Eckold als Theilnehmer an diesem und andern Diebstählen angezeigt.

Eckold läugnete mit unerschütterlicher Festigkeit und gab nie die geringste Blöße. Der Schöppenstuhl zu Leipzig erkannte über ihn die Folter. Ohne die geringsten Merkmale eines Schmerzes erduldete er die härtesten Qualen. Er wurde für ein Jahr in das Zuchthaus verurtheilt und dort zu leichten Arbeiten verwendet. Schon nach einigen Tagen entsprang er beim Straßenkehren den Wächtern, fand in der Nähe von Eilenburg Wilhelminen, die bei seiner Ablieferung in das Zuchthaus auf freien Fuß gestellt worden, als Zuhälterin des Walachen Peters, eines höchst berüchtigten Räubers, ermordete diesen aus Eifersucht und mißhandelte Wilhelmine so unmenschlich, daß sie einige Tage darauf an den Folgen der Mißhandlung starb.

An der böhmischen Grenze wurde Eckold ein Mitglied der Bande des Lips Tullian und zeichnete sich durch alle jene furchtbaren Eigenschaften, mit welchen ein vollkommener Gauner, Räuber und Mörder ausgestattet sein soll, bald so sehr aus, daß ihn Tullian seiner innigsten Cameradschaft würdigte.

[9] Budendieb.

X.
Hans Wolf Heinrich Schöneck.

Der moralische Gang des Menschen gleicht seinem physischen, der nichts ist als ein fortgesetzter Fall.