Unter den Baugefangenen wurde bald darauf bekannt, daß der Räuber und Mörder Peter Pfützner in einigen Tagen auf dem Sande vor Alt-Dresden durch den Strang hingerichtet werde.
„Gott Lob, sie hängen meinen Hauptfeind auf!“ — sagte Schöneck halblaut in der Gaunersprache vor sich hin. Ein Frohnknecht, der Gaunersprache kundig, hatte kaum diese Worte gehört, als er dem Ober-Profosen davon Anzeige machte. Dieser berichtete Schönecks Aeußerung dem Criminalgerichte. Auf der Stelle wurde Pfützner zum Verhöre vorgeführt, und zur aufrichtigen, ausführlichen Angabe alles dessen, was er von dem Leben und Uebelthaten des Baugefangenen Schöneck wisse, auf das Dringendste ermahnt. Pfützner erklärte, er habe mit Schöneck, als dieser unter dem Namen Gottlieb Kraus sich umhergetrieben habe, in tödtlicher Feindschaft gestanden, hätte sich aber wohl gehütet, gegen ihn auszusagen, um nicht für einen rachsüchtigen Menschen zu gelten. Da er aber von einem hochpreißlichen Criminalgerichte zur Angabe der Wahrheit aufgefordert werde, und sein Gewissen ihm ohnehin dieses Stillschweigens über Schöneck wegen die heftigsten Vorwürfe schon seit längerer Zeit mache, so wolle er nun mit der strengsten Wahrheitstreue und genauester Ausführlichkeit alles angeben, was er über Schönecks Thaten während der Dauer ihrer Kameradschaft auszusagen wisse.
Und nun gab Pfützner seine sehr inhaltreiche Aussage gegen Schöneck zu Protokoll.
Nach dem Verhöre wurde Schöneck zur neuen Untersuchung in das Stockhaus abgeliefert. Wie es ihm möglich geworden, sich von seinen schweren Ketten loszumachen und aus einem der tiefsten und festesten Kerker des Tag und Nacht wohl verschlossenen, von zahlreichen Wächtern und Hunden gegen Ein- und Ausbrüche sehr geschützten Stockhauses zu entrinnen, konnte nicht ergründet werden, da er nicht nur gegen seine Kameraden, sondern auch in der Folge bis an sein Ende gegen die Untersuchungsrichter ein Stillschweigen beobachtete, welches kein freundliches Zureden, kein Ernst, selbst nicht die grausamste Folter zu brechen vermochte.
Aus dem Stockhause hinweg wurde er mit Sarberg und Schickel bekannt, von Tullian zu seinem Raubgenossen gemacht und allmälig von ihm zur höchsten Höhe der Gewissenlosigkeit, der Raubgierde und der Grausamkeit geführt. In einem furchtbaren Kampfe gegen die Uebermacht von Soldaten, Jägern und Landleuten, gerade als Lips Tullian, nur noch mit Wenigen auf dem Platze, von zwei Grenadieren entwaffnet und fortgeführt wurde, schlug sich Schöneck mit Löwenmuth und Löwenstärke durch die dichte Reihe der Soldaten und Jäger, entriß Tullian den Grenadieren, und hielt den Haufen der Angreifer so lange zurück, bis Tullian einem Jäger den Hirschfänger entrissen und den das Kommando befehligenden Officier niedergestochen hatte. Der Tod des Anführers machte den blutigen Kampf stocken. Diesen Augenblick der Ruhe benutzend, gewannen Beide die nahen Gebüsche, und waren gerettet.
Diese muthige That, im Augenblick der höchsten Gefahr ausgeführt, machte Tullian zu Schönecks treuestem Freunde.
[10] Diebsherbergen.
XI.
Daniel Lehmann.
Noch immer ist mir’s unbegreiflich! Rudolph