Wir sahen uns jetzt gegenseitig verlegen an; errötheten, wie alle junge Schriftsteller, wenn sie vor dem Manne stehen, der ihnen die Unsterblichkeit zu sichern im Stande ist, und ihre, meistens leere Börsen wieder anfüllen kann.

Endlich faßte ich Muth und sagte: „Wir sind gekommen, Herr Blatt, um Sie zu fragen, ob Sie nicht Lust hätten ein kleines Werk über Altona und Hamburg in Verlag zu nehmen?“

Die heitere Miene, mit welcher Herr Blatt uns empfangen, wich einer ernstern. Einige Falten zogen sich auf seiner Stirne zusammen. Er trat einige Schritte zurück und bewegte unwillkührlich seinen rechten Arm indem er seinen Oberkörper von einer Seite zur andern balancirte. Darauf sprach er: „Muß recht sehr bedauern, meine Herren, — ich bin nur ein junger Anfänger — habe mit meinen ersten Verlagsartikeln vielen Schaden gelitten — darf mich nicht vom Gelde entblößen. — Ich würde den Herren rathen nach Hoffmann und Campe zu gehen. Die würden wohl die Einzigen seien, welche auf etwas Belletristisches sich einlassen könnten.“

„Aber, Herr Blatt, das Werk würde gewiß in Altona und Hamburg vielen Abgang finden, denn es ist sehr frei, beißend geschrieben und wimmelt von Persönlichkeiten.“ Versetzte Hippias.

„Um so weniger darf ich mich darauf einlassen. — Ich bin ein Altonaer Bürger und darf es nicht mit meinen Mitbürgern, noch mit dem Polizeimeister verderben. Ja wäre es ein statisches Werk, ein Buch über Agricultur, Schaaf- und Viehzucht, dann allerdings, meine Herren. Aber so — eine Satyre vielleicht? — muß recht sehr bedauern.“

Herr Blatt lächelte. Hippias und ich lächelten auch. Wir lächelten alle drei und lächelten uns zur Thüre hinaus.

Auf der Straße sahen wir uns noch einmal unwillig nach dem Schilde der privilegirten Buchhandlung von Georg Blatt um, dann gingen wir weiter.

„Er hat seinen Vortheil nicht verstanden“ sprach ich. „Mein Name thut Alles.“

„Tröste dich mit Georges Sand, die drei Jahre umherlief ohne ihr Manuscript anbringen zu können.“

„Das ist was Anderes. Hier in Deutschland kommt es nur auf den Namen und den Rang eines Schriftstellers an. Ich bin überzeugt, daß der vorsichtige Blatt die Memoiren des Freiherrn v. Hammerstein nicht verlegt haben würde, wenn er nicht auf den Einfluß des Namens speculirt hätte.“