„Alle Achtung vor dem Manne,“ erwiederte ich. „Hier in diesem kleinen Raume entfaltete sich also das Genie des großen Mannes?“

„Ja! Hier brütete er seine Eier aus. Jetzt wohnt er in dem großen, weißen Hause da gegenüber. Das hat er sich ergeigt und erschrieben.“

„Ich bin neugierig den Mann zu sehen,“ bemerkte Hippias.

„Das können Sie leicht haben. Sie brauchen nur heute Abend in die Vier Löwen zu gehen. Dort sitzt er und spielt.“

„Wollen wir das thun, Aristipp?“

„Warum nicht? Die Gegenwart dieses Mannes macht das ganze Local berühmt. Und wir gehören hoffentlich nicht zu den anerkannten Soliditäten.“

„Dein ewiger Spruch.“

„Nun ja! Ich mag die Leute nicht, die einen Menschen nicht anerkennen wollen, weil er nicht reich, nicht hochgeboren oder hochgestellt ist. Das Handwerk schändet keinen Mann! Im Gegentheil finde ich, daß jeder große Mann noch größer ist, je kleinlicher und unscheinbarer seine Verhältnisse sind. Und keinen Mann achte ich höher als den, der Alles durch sich selbst wurde, der Alles aus sich selbst bildete!

In dieser Hinsicht stelle ich diesen Clemens Gerke über alle jene Doctoren und studirten Schriftsteller. Er ist ein geistiger Bildhauer, der aus eigenem rohen Stoffe sich selbst zur schönsten Statue meißelte! Gott setzte ihn in diese Welt, arm, hülflos, niedriggestellt — er schwang sich durch rastlose Thätigkeit bis auf jenen Standpunkt, den er diesen Augenblick in der literarischen Welt einnimmt. Des Nachts spielte er in jenem Locale, um sich, Weib und Kinder zu ernähren, und vom Morgen bis zum kommenden Abend arbeitete er seine Schriften aus. Noch mehr! er selbst setzte, druckte sie. Kann man mehr von einem Manne verlangen?“

„Nichts mehr! Nichts mehr!“ rief der Baron, der eben zur Thüre hereintrat, die letzten Worte gehört hatte; und sich schnell auf den leerstehenden Stuhl niederließ. „Von wem ist die Rede?“