„Von Clemens Gerke, deinem Freunde!“ versetzte Bleicamb.

„Ach! so?“ sprach der Baron langsam. „Das ist ein verdammter Kerl! Aber ein Kraftmensch! Wollte Gott ich wäre, wie er!“ Die Stirn des Barons überflog ein dunkler Schatten. Man sah es auf seinem Gesichte, daß etwas unangenehm in seinem Innern berührt war.

„Der Baron mag den Gerke nicht.“ Bemerkte Herr Bleicamb!

„Ich ihn nicht mögen!“ fuhr der Baron auf. „Wer sagte das? Was weißt du altes Plappermaul davon! Es ist ein kreuzbraver Kerl, aber er mag den Adel nicht; er mag die Doctoren nicht; er ist ein Republicaner und hat sich einst nicht ganz unsanft über mich geäußert. Das ist längst vergessen! Ueberdem hatte er Recht! Wenn kein Anderer schlechter über mich dächte und spräche, dann wäre ich zu beneiden.“ —

„Du hast wohl heute deinen Traurigen, Baron? Hat der Doctor Dir wieder was geplappert? Laß doch die Leute reden, Du kannst Ihnen ja doch nicht das Maul verbieten!“ —

„Es ist etwas Schönes um einen unbescholtenen Ruf, Aristipp!“ fuhr der Baron ernst fort. „Wie hoch steht dieser gemeine Mann, dieser simple Musikant über mir! Sein Name wird überall mit Achtung genannt und der meinige? — O des Unglücks! Ein leichter Gedanke; ein Glas Schnaps zuviel und das Kostbarste der Güter ist verloren — der gute Ruf! Gewiß, gewiß! Zwei Seelen wohnen in unserer Brust, wie Goethe sagt. Die eine, die uns dem Himmel näher bringt, die andere, die uns zur Erde niederreißt. Daß wir auch das Thierische in unserer Natur nie vertilgen können! Et si naturam. — Es ist um wahnsinnig zu werden! Schenke mir ein, Bleicamb! Ich muß trinken! Ich glaube, ich könnte das Meer austrinken, wenn es voll Weines wäre, und würde doch nicht berauscht, sobald mich ein schwarzer Gedanke verfolgt! Sed post equitem sedet atra cura!“ —

„Da, Baron, trinke! Und nun wieder vorby.“ —

„Sie sollten nicht mehr trinken, Herr Baron! Sie sind zu aufgeregt!“ bemerkte Hippias.

Um die Lippen des Barons spielte ein höhnisches Lächeln, mit der Hand fuhr er über seine hohe Stirne; seine Augen sprühten Feuer.

„Nicht trinken! guter Mensch? Fürchten Sie etwa, daß ich zuviel trinken könnte! O nein! o nein! ich werde nicht mehr betrunken. — Aber wüthend bin ich! Wüthend, daß die erbärmlichsten Lästerzungen meinen Namen zerreißen, während ich selbst ganz unschuldig bin!“