„Was ist denn nun wieder los?“ fragte Herr Bleicamb.

„Denke Dir. Neulich komme ich vom Lande. Mein Weg führt mich über das Schulterblatt. Vor einem Wirthshause ist eine Schlägerei. Zwei Männer fallen über einen her, und lassen ihn nachdem sie ihn zur Erde geworfen, blutig dort liegen. Ich gehe auf den Mann zu; hebe ihn auf; fasse ihn beim Arm und bringe ihn zu Tiedemann in das Wirthshaus, wo ich ihm ein Glas Bier geben lasse. Darauf gehe ich weiter. War das eine schlechte Handlung? Und nun, hören Sie, meine Herren, heute wird mir erzählt: ich habe mich geprügelt! Ist es nicht um rasend zu werden?“ —

„Weiter nix? Na, das geht wieder vorby! — Kümmere Dich doch nicht um das, was die Leute reden! Das hilft doch zu nichts,“ meinte Herr Bleicamb.

„Das weiß ich wohl! Ich bin weit davon entfernt, den Menschen das Reden über mich verbieten zu wollen; aber es ärgert mich, daß sie die Unwahrheit sprechen, noch mehr, daß es möglich ist, daß man so etwas von mir glauben kann. Stände ich rein, unbescholten in den Augen der Welt da — Niemand würde einen solchen Gedanken von mir fassen. Das ist die Folge davon, wenn man sich zu dem Lumpengesindel herabläßt. Wer Pech anfaßt, besudelt sich! Man muß jede Berührung mit dem gemeinen Packe vermeiden! Seinen Mitbruder im Kothe liegen lassen; die Nase hoch tragen; keinen Menschen ansehen; Gott, Christus und seinen Titel beständig im Munde führen — dann ist man ein Mann comme il faut. — Nun es soll mir nicht wieder passiren!“

„Und thust es Morgen wieder, Baron; ich kenne Dich zu gut. Und nun ist es wieder vorby.“

„Lassen Sie sich die Sache nicht anfechten,“ sprach ich. „Sie haben mehr gute Freunde als Sie glauben. Wenigstens bitte ich Sie, mich zu diesen zu zählen.“

„Mich auch!“ fiel Hippias ein.

„Und mich auch,“ rief Herr Bleicamb. „Was willst Du mehr? Ist das nicht genug, so wahr ich Herrmann Bleicamb heiße!“

Des Barons Züge erheiterten sich. Ein spöttisches Lächeln, das sich aber bald zu einem anmuthigen verlor, umspielte seine Lippen. Darauf sprach er mit Pathos: „Mein ungeheuerster Wunsch ist befriedigt: Genua kennt mich in Euch. Retten Sie meine Ehre. — Verzeihen Sie diese Periode Aristipp und Sie Hippias — sie galt nicht Ihnen,“ fuhr der Baron mit einer eigenthümlichen Grazie fort. „Ich weiß Ihre Freundschaft zu schätzen, und wollte Sie nicht gerne durch einen übelangebrachten Scherz verlieren. Sie, Aristipp, kenne ich. Ich glaube, wir haben manche Aehnlichkeit mit einander, wenigstens trafen wir häufig an denselben Orten zusammen, und thaten es auch ja heute, wie ad oculos zu demonstriren. Der alte Satz: die Freundschaft zweier edlen Seelen beweist sich am besten durch die Anhänglichkeit, die sie zu einer dritten empfinden; bestätigt sich durch uns und Bleicamb von Neuem.“