„Du hast eine vortreffliche Frau, Bleicamb! Aber ich habe noch eine Bitte an Sie, Madame, wollen Sie es wohl erlauben, daß Ihre Tochter mir ein neues, seidenes Halstuch säumt?“
„Warum nicht, Herr Baron? Meiner Tochter wird sein ein groß Vergnugen zu nähen der Halstuch für Ihnen. Nicht Nancy?“
Das schöne Mädchen erröthete und lispelte ein leises: „Ja!“
„Hier ist das Tuch. Ich werde es um so lieber tragen, wenn es von so schönen Händen gesäumt sein wird.“
„Wir müssen jetzt wohl gehen,“ meinte Herr Bleicamb. „Es ist hier zu petit für uns Alle.“
Wir setzten uns in Bereitschaft zum Abmarsch. Wir nahmen unsere Direktion, den Weg hinter der Reeperbahn entlang, und befanden uns bald vor dem Cafée-Hause des Herrn Janßen.
Das Haus des Herrn Janßen, liegt wie bemerkt, hinter der Reeperbahn; vor demselben ist ein weißes Stacket; das Haus selbst ist weiß angeworfen, hat eine braune Hausthüre, vor welcher gewöhnlich drei kleine Pinscher sitzen. An der einen Seite der Thüre ist in schwarzen Lettern zu lesen: „Janßen Cafée-Haus.“ Auf der andern: „Janßen Commissionair. Weinhandlung.“ Ich führe dieses nur an, damit jeder Fremde, von denen es ja in dem schönen Hamburg wimmelt, sogleich dieses Haus erkennen möge. Denn auf St. Pauli gewesen, ohne bei Janßen gewesen zu sein, ist ebenso gut, als in Rom gewesen, ohne den Pabst gesehen zu haben! Worin liegt nun aber dieser Anspruch des Janßenschen Cafée-Hauses? Liegt er in der Lage des Hauses? in der prachtvollen Bauart? in der eleganten innern Einrichtung desselben? Zeichnet sich dieses Cafée-Haus durch bessern Wein, bessern Cafée, bessern Punsch vor anderen aus? Diese Fragen muß ich mit einem einfachen Nein beantworten. Wodurch verdient denn aber das Janßensche Cafée-Haus das Lob, welches ich ihm spende? Ich will es meinen verehrten Lesern sagen: Das Ausgezeichnete dieses Cafée-Hauses liegt: Erstens in der Person des Herrn Janßen selbst.
Zweitens, in den hübschen und tugendhaften Schenk-Mamsellen, die man dort findet.
Drittens, in der außerordentlichen Holländischen Reinlichkeit, die dort herrscht.
Viertens, weil, (man verzeihe mir diese Arroganz) ich mich dort häufig befinde, und man daher immer auf eine interessante Unterhaltung dort rechnen kann. Da man aber in unseren Zeiten nichts anvanciren darf, ohne die Gründe dazu zu motiviren, weil alles Leichte, Gracieuse, Angenehme jetzt mißfällt, und nur schwerfällige Beweise gelten; so werde ich meine Ansichten mit Gründen belegen: