„Ich danke,“ antwortete die schöne Adeline. „Ich trinke selten, fast nie. Uebrigens bin ich Ihnen für die Güte, mich aufheitern zu wollen, sehr verbunden, Herr von Jadis; aber Sie wissen, es hilft nichts.“
„Der Teufel hole die verliebten Leute!“ rief der Angeredete. „Sie verderben alle gute Gesellschaft! bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren!“
Dem jungen Mädchen entlockten diese kräftigen, komisch hervorgestoßenen Ausdrücke ein vorübergehendes Lächeln, wobei sie zwei Reihen der schönsten Zähne zeigte. Sie hatte etwas unbeschreiblich Anziehendes. Sie erinnerte an Mignon. Man hätte sie fragen können: „Was hat man Dir, Du armes Kind, gethan?“ Der Baron schien ganz in ihrem Anschauen verloren. „Bei Gott,“ sagte er mir leise, „eine solche Aehnlichkeit sah ich nie! Wie dieser plumpe Russe mit seinen rohen Scherzen das Zartgefühl des holden Kindes beleidigen muß! Das Mädchen ist krank, sehr krank. Ihre Krankheit ist die des gebrochenen Herzens. Ich kenne das. Triviale Scherze sind kein heilender Balsam für solche Kranke. Da hilft nur Mitgefühl! Ich muß erfahren, wer sie ist, Aristipp. Ihr Anblick erweckt in mir eine traurige, sehr traurige Erinnerung.“
Das Gespräch wurde dadurch unterbrochen, daß der Kellner vier Gläser Champagner vor uns hinsetzte und im Begriff war, sie vollzuschenken.
„Wer hat den Champagner bestellt?“ fragte der Baron.
„Der Herr von Jadis, der junge Russe, hat mir befohlen, den Herren einzuschenken.“
„Ich lasse mir von keinem Unbekannten einschenken!“ erwiederte der Baron stolz.
„Es ist ein Freund des Herrn von Pichmeier,“ erwiederte der Kellner.
„Des Herrn von Pichmeier! Schnell schenken Sie ein. Wo ist Herr von Pichmeier?“