Die Ochsen sind gröber,

Und stoßen die Küh!

Tra-La Tra-La Tra-La.“

„Wer war das junge Mädchen, welches mit der Madame Guilleaume den Saal verließ?“ fragte der Baron nach einer kleinen Pause den Russen.

„Ein sehr dummes Mädchen! sehr verliebt, wie alle Deutsche Mädchen. Sie hat keinen Sinn, als für den Geliebten, und weint Tag und Nacht, daß er nicht bei ihr ist. Schon seit sieben Jahren liebt sie ihn! Das ist wirklich zu toll, und heirathen kann sie ihn nicht, denn weder er noch sie haben was zu essen. Und ohne Geld zu sein, das ist der Teufel! Anstatt vernünftig zu sein, und sich zu amüsiren, sitzt sie immer in Träumereien versunken, und wenn einen Posttag über ein Brief von ihm ausbleibt, so ist sie betrübt bis in den Tod. Hä! Hä! Hä! Das ist zu dumm! Da sind die Französinnen anders und die Russinnen! Die Deutschen sind sentimental und langweilig. Es ist nichts anzufangen mit ihnen. Immer verliebt und immer geweint! Ich bitte! Das ist lächerlich!“

„Der Herr von Jadis hat Ihnen eine Erklärung nach seiner Weise über dieses junge Mädchen gegeben,“ nahm der junge Mann, welcher Fräulein Adelinens Nachbar gewesen war, das Wort, „da Sie aber mit einigem Interesse sich nach ihr erkundigen, so will ich Ihnen eine andere geben. Fräulein Adeline von Lilienthal ist eine sehr gute Bekannte der ehrenwerthen Familie Guilleaume und zum Besuche bei ihr hier anwesend. Es ist wahr, daß sie eine glückliche oder eine unglückliche Liebe hat, wie man es in der Welt nennt, und daß sie dem Gegenstande ihrer Neigung sieben volle Jahre treu blieb. Sie scheint in der That keinen andern Gedanken, als ihn zu haben, welches ihr, nach meiner Meinung, zur höchsten Ehre gereicht. Ich glaube, daß es das höchste Glück für einen Mann sein muß, mit dieser hingebenden, Alles vergessenden, dauernden Liebe geliebt zu werden, mit welcher dieses interessante Wesen ihrem Geliebten anhängt, und wenn unsere Deutschen Frauen und Mädchen einen reellen Vorzug vor den Französinnen, Russinnen etc. besitzen, so besteht er gerade in diesem tiefen Gefühle, in dieser schönen, reinen Hingebung, in diesem gänzlichen Verlorensein in dem Gedanken an den Auserwählten ihres Herzens. Diese metaphysische oder platonische Liebe, welche das ganze Wesen eines so holden und liebenswürdigen Geschöpfes erfüllt, ist meiner Ansicht nach der höchste Schmuck eines weiblichen Wesens. Wir Männer sind kaum im Stande, die Gefühlswelt zu fassen, welche das Herz eines wahrhaft liebenden Weibes bewegt; ich selbst hatte nur eine schwache Idee von der Möglichkeit des Vorhandenseins solcher Gefühle. Die nähere Bekanntschaft und die Beobachtung dieses jungen Mädchens hat mir erst einen klaren Begriff derselben gegeben. Sie lebt nur für, in und durch den Gegenstand ihrer Liebe. Alles andere ist ihr gleichgültig. Sie würde sich, ihr Leben, ihren Ruf, ihre zeitliche und ewige Wohlfahrt dem Geliebten opfern! Ihr weiches, reines, reiches Herz kennt kein anderes Gefühl als das der aufopfernden, hingebenden Liebe! Von einer solchen Liebe hat ein Russe, ein Franzose keinen Begriff.“

„Wollen Sie eine Partie Ecartè um einen Drittel mit mir spielen, das ist besser, als dieses Liebes-Geschwätz!“ rief der Russe.

„Ich spiele nicht,“ antwortete Jener etwas zurückhaltend.

„Ah! ha! Sie sind böse auf mich? Warum nicht gar! Man muß sich nie über ein Mädchen erzürnen. Das ist lächerlich! Wollen Sie?“ fragte er auf Russisch, seinen Nachbar.